Im Netz trifft man mich unter anderem unter Hermann Kuchen Brief. Bis vor kurzem zumindest führte das zu einem der beliebtesten Artikel auf meinem Blog. So was finde ich ganz interessant; anhand gewisser Zugriffe kann ich zum Beispiel darauf schließen, wie das Wetter im Lande ist oder ob ein Feiertag naht. Das Textchen über den Sauerteigkuchen jedenfalls wurde über ein paar Jahre hinweg monatlich stabil oft angeklickt, knapp überrundet vom darin verlinkten Bild mit der Anleitung. Suchmaschinen schienen mein Blog einigermaßen weit oben zu listen, wenn jemand nach Hilfe beim Backen eines Hermann-Kuchens suchte.
Im Februar dieses Jahres änderte sich etwas. Stabile Zugriffe auf das Bild mit der Anleitung; die auf den Artkel selbst halbierten sich. In den Referrern tauchte jetzt immer wieder einer auf — „lakritze-wordpress-com.cdn.ampproject.org/…“. Ich schaute mir das an: mein Text, 1:1 in einer fremden Umgebung, klare Schrift, heller Hintergrund, eigentlich hübsch. Nur noch für das Bild mußten Leser, die es sehen wollten, tatsächlich auf mein Blog.
In den folgenden Monaten sank die Zahl der Klicks auf den Artikel, seit August Tendenz gegen Null. Beim Bild der Anleitung: dasselbe, mit etwas Verzögerung. Und gucke da: Suchmaschinen listen meinen Artikel nicht mehr so weit oben, daß noch jemand darauf stößt.
Das „Ampproject“ will, anscheinend in Kooperation mit Google, die Darstellung von Webseiten auf Mobilgeräten beschleunigen. In meinem Fall hat das wohl zunächst zu einer Dopplung meines Artikels geführt — und dann dazu, daß dieser aus dem Fokus der Suchmaschine rutschte? Hm.
Ich beobachte und stelle Vermutungen an, ohne über die Prozesse wirklich etwas zu wissen. Auch fehlt mir das finanzielle oder sonstige Interesse an solchen Dingen; wie aber wäre das für Leute, die davon leben, daß ihre Inhalte gefunden, daß ihre Seiten geklickt werden? Mit Journalisten und Autoren, mit Dienstleistern oder Händlern?
Da sitze ich mit meinem Blog wie in einem Boot auf einem stillen See. Der Himmel spiegelt sich tagein, tagaus im Wasser. Eigentlich ändert sich nichts, aber manchmal meine ich Schatten in der Tiefe zu sehen, große Wesen, die da unten ihre Bahnen ziehen und nichts mit mir zu schaffen haben; hier und da ein Kräuseln der Oberfläche vielleicht, vielleicht ein kaum merkliches Schaukeln des Bootes.
Manchmal denke ich: schade, daß ich nicht tauchen kann.
