Bernsteinzeit

Dieses Frühjahr ist das erste, in dem ich mein Alter um ein Jahr unterschätze. Üblicherweise bin ich ein Jahr voraus, aber das vergangene fühlt sich nicht an, als wäre es vergangen. Lethargische Zeiten, las ich in einem Brief; gefühlter Stillstand. Vielleicht ein wenig: Lots Frau. Und jetzt? Vergehen jetzt zwei Jahre auf einmal? oder man muß das unvergangene in den Nächten nacharbeiten? Älter bin ich jedenfalls geworden, bißchen mehr Weiß im Haar, paar Falten mehr, mehr Rücken, bißchen tauber nach außen und hellhöriger nach innen zu.

Rückblickend sind die seltenen Wanderungen des Jahres die einzigen Zeiten, die sich überhaupt irgendwie anfühlen: ausgeschritten, tief geatmet und weit geschaut. Ein paar leuchtende Erinnerungen, in die Vergangenheit reichend wie eine Kette von Bojen in trügerischem Wasser: Meine Begegnungen mit der Zeit waren die Wege, die ich gegangen bin.