Sie ist’s (Heizperiode)

Die Sonne zwängt sich durch die Wolkenlücken
und sendet dürre Strahlen gen Asphalt.
Die südlicheren Tage sind vorüber. Es ist kalt.
Zwar möcht ich gerne mich vor der Erkenntnis drücken,

nur hängt das Sommerkleid unübersehbar schlaff vom Bügel,
von dem ich eben erst den Wintermantel rafft‘.
Ich fror dann doch zu sehr in luftig-leichtem Taft
beim Gang durch die (doch grad noch sommerlichen!) Hügel.

Man müßte langsam wirklich auch die Wohnung wieder —
ach was, ich trage Wolle drunter! Und so kühl …
man unterschätzt ja leicht die Temp’raturen nach Gefühl …

Dann tau’n beim Kochen mir am Herd die starren Glieder.
Ich gebe mich geschlagen. Ja: Ich stell die Heizung an.
’s wird Winter. (Nimm es hin. Und dann gewöhn dich dran.)

 

 

Aus der etwas angestaubten Reihe der Haushaltssonette. Und: anderen geht es auch nicht anders.
Und: Mitspieler willkommen!

 

Selbstbildnis im Wasserspiegel eines Putzeimers

Da, ein Auge, da der Mund; der Schaum dazwischen,
der noch die Nase und die Stirn verdeckt,
steht knisternd, seifenbläschengleich. Ich gehe wischen,
weil’s sein muß; weil man ja nicht gerne ganz verdreckt.
Das klare Wasser mit dem hellen Schaum darüber
wird, je öfter ich den Lappen in es tauch‘,
erst gräulich, grau dann, matter, trüb und trüber,
und mein Gesicht in seinem Spiegel wird es auch.
Die Tage gehen, und es bleibt der Schmutz. Die Lieder,
die ich beim Putzen sang, zerstäuben wie die Zeit;
ich sang sie nur, um mich zu motivieren.
Im Wassereimer steht mein Bild in Schlieren.
Die Frische ist dahin. Ach, die Vergänglichkeit:
der Schaum zerfiel. Und morgen alles, alles wieder.
 
Beitrag zum Projekt *.txt (11: Schwermut) und zugleich ein Haushaltssonett.
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Lob meiner Spülmaschine

Das Wasser schwappt mir bis zum Ellenbogen.
Die Spülmaschine tat nicht, was sie sollte,
und spülte nicht so sauber, wie ich’s wollte:
nun tauch ich selber mit der Bürste in die Wogen
und schrubbe, was vom Nachtmahl auf den Tellern
verblieben, jenen allerletzten Rest,
der, schrubbte ich nicht jetzt, bald fest
an ihnen säße wie der Schwamm in Kellern.
Nach einer guten halben Stunde Frist
steht, wieder sauber und bereit, das Porzellan
im Schrank. Und diese halbe Stunde ist
vom Spülknecht mir ein tägliches Geschenk;
nur denk ich täglich selten noch daran.
Ein zarter Spülsaum legt sich um mein Handgelenk …
 
Nicht glänzend, aber selten – zu: Haushaltssonette. Wie hier und hier. Und hier — danke, Petra! –, hier und hier, aus der Art geschlagen, aber nicht minder reimfroh. Lyrisches zum schönen Schein gibt es, hach, hier.
Wer mag mitspielen?