Drunter & drüber

Kleider machen Leute, jetzt mit Kleinanzeige.
 
Ich habe einen Koffer weiße Wäsche geerbt, Aussteuer von vor vielleicht hundert Jahren aus einer befreundeten Familie. Zarte Baumwollhängerchen mit geometrischen Musterkanten, gesteppte Jäckchen mit Rüschen überall, bauschige Unterhosen mit knöpfbarer Klappe; sogar eine Nachthaube ist dabei.
Ich schaue mir die Sachen gerne an, die Stickereien, die weißen Stoffe, luftig für den Sommer, wärmend für den Winter. Von Hand hergestellt, verziert und mit Monogramm versehen, waren das richtige Wertsachen. Viel zu schön, um zu verstauben; eigentlich sogar zu schön, um drunter getragen zu werden.
L., die neulich zu Besuch war und die solche Dinge mag, meinte: dann trag’s doch drüber! Und in der Tat, manchmal lohnt es sich, das Unterste zuoberst zu kehren. Die Besitzerin der Wäsche hätte sich vor hundert Jahren keinesfalls so unter Leuten gezeigt; ich hingegen bekomme gesagt: oh, was für eine schöne Bluse, hast du die neu?
 
 
 

Postkarte aus der Drôme

Das Land nordöstlich der berühmteren Provence hat zu bieten: Singvögel am Morgen, Ziegen, Lavendel, Kreuzritterburgen, gleißendes Licht, Steineichen, einen dickschädeligen Menschenschlag, zwei warme und mehrgängige Mahlzeiten am Tag, weißen Nougat. Ob es das Land ist oder die Leute, mit denen ich es besucht habe — in die Drôme würde ich wieder reisen.

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In die Sonne blinzeln ...

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