Gestern kam mir in der Stadt ein vielleicht vier-, fünfjähriges Mädchen an der Hand seiner Eltern entgegen. Vater und Mutter redeten auf das Kind ein und tauschten Blicke, während das Mädchen versuchte, sich loszureißen: »Doch! Der war echt! Das war ein echter Mann, der da saß! Der friert! Der friert doch!«
Da waren sie auch schon vorbei.
Der Bettler, ein paar Meter weiter um die Ecke, hatte nichts mitbekommen von dem Herzen, das für ihn übergesprudelt war.
Beitrag zum Projekt *.txt (14: Gewissen). Kürzer ging’s nicht.
Was meinten denn die Eltern? Der wäre nicht echt? 😀
Tja — Erwachsene, in die Enge getrieben …
Ich könnte heulen.
Was glaubst Du, wie’s mir ging.
In solchen Momenten wird einem bewußt, wie abgestumpft man selbst schon ist.
Wie sagt schon die Bibel – „und wenn ihr nicht werdet wie die Kinder ….“
Am Tag danach kam ich endlich drauf: Ich hätte den Eltern gratulieren sollen, daß sie einen Menschen zum Kind haben.
Traurige Geschichte und gleichzeitig Mut machend. Immerhin hat dieses kleine Kind den Menschen, also ihresgleichen gesehen, und sich das auch nicht ausreden lassen.
Mit der Formulierung legst Du den Finger in die Wunde: wir leben in einer Welt, in der man Kindern ausredet, daß Menschen Menschen sind. Das ist das schrecklichste Programm für eine Gesellschaft.
Oh Lakritze, bei Dir gibt es ja viel zu entdecken *staun. Diese Geschichte wird mich so schnell nicht loslassen. Danke dafür und liebe Grüße
Dagmar
Oh, danke fürs Vorbeischauen! Und ja, diese Geschichte hat mich auch ein Weilchen beschäftigt …