Winterknochen

Unter blauem Himmel ist der Weg aus dem Tal nur halb so steil, der Wind nur halb so scharf, wenn er Sonnenlicht vor sich herbläst. Wie schön: aus dem kahlen Wald treten, und die Landschaft fächert sich in die Ferne, golden und grün. Die Wolken liefern sich Freundschaftsrennen und tuschen dabei eilige Flecken auf die Hügel; Hasel und Weiden blühen, staubgelbe Abzeichen an den schwarzen Waldsäumen; Meisenrufe schlagen zehn Grad drauf auf die gefühlte Temperatur. Hier aber und da, in Feldgräben, hinter schrägen Schollen und Grasbüscheln aus dem letzten Jahr, hat sich der Schnee verschanzt.

Winter’s bones, weiß Frau Amsel ein Wort dafür: was übrig bleibt, wenn dem Winter der Atem ausgeht und das Fleisch wegschmilzt; was noch lange liegt, wenn die Schlacht längst geschlagen ist und langsam Gras über die Sache wächst. Knochen aus Schnee, snow-bones, schmutzigweiß und irgendwann nicht mehr zu sehen, aber nie, argwöhnt man, ganz und gar vergangen unterm Grün.

 

 

(Immer noch keine Fotos. Aber ich arbeite dran.)

 

0 Gedanken zu „Winterknochen

  1. Winterknochen, das ist schön. Hier hat der Winter noch Haut und Haare über den Knochen, es ist nochmals alles weiß und so kalt wie noch nie in dieser Saison, grausam kalt. Aber sonnig. Und damit ist alles zu ertragen.

    1. Na, das hätte ich gern gehabt, einen Winter mit Haut und Haaren und Haaren auf den Zähnen. So ein paar Wochen lang, damit die Zecken eins aufs Dach kriegen. War aber nicht, nicht in diesen Breiten. — Ihnen Sonne über Sonne!

      1. Das Wetter ist ja so wechselhaft. Ob die Zecken hier schon eins aufs Dach bekommen haben? Ich bin mir nicht sicher, würde es mir aber auch wünschen.

        Ihr Wunsch „Ihnen Sonne über Sonne“ ist einer der schönsten, die ich je erfahren habe. Herzlichen Dank!

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