Und Schnee

Jedes Jahr der erste des Lebens.
Nicht Niederschlag, sondern Segen. Alle Augen strahlen, in den Schultern kribbeln schon Ballschlachtpläne, und auf Wangen und Lippen: lauter leichte, nadelspitze Küsse.
Ist es nicht stiller geworden? Da haben wir Besuch aus dem Himmel. Schaut, wie es glitzert, der weiche Teppich auf dem Asphalt, und alle Autodächer sind schön.
Morgen dann die Tritte der Tauben auf dem Bürgersteig, bis das Streusalz sie unleserlich macht. Übermorgen haben wir uns gewöhnt und ziehen gegen die Kälte die Schultern hoch. Und noch später: alles Matsch.
Doch heute herrscht Zauber. Der letzte ganz echte im Jahr.
 
 
 
 
 
 

0 Gedanken zu „Und Schnee

  1. So ist es mit allem Neuen, mit allem Ersten. Zauberhaft. Bis der Alltag kommt. Und nur echte Liebe kann diesen überleben. Sonst schmilzt der Zauber einfach weg. Einfach so. Als wäre er nie dagewesen.
    Schön, dein Text! Sehr sehr schön. Zauber, der bleibt.

  2. Ein poetisches Lob auf die weiße Verhüllung, dieser schnellsten, aber eben auch „hinfälligsten Weltveränderung“ (Wilhelm Genazino). Doch es gibt ja den „Trost“ der Bilder und Texte, die vom Zauber des Flockenflugs handeln, und in ihnen schneit es weiter, solange es Betrachter und Leser gibt.
    Gruß, Uwe

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