Hundstage

Augusthitze über abgeernteten Feldern.
Augusthitze über abgeernteten Feldern.

Der Rheinsteig im August? Wie verrückt muß man sein? Die Hundstage gehören zu den Wetterlagen, in denen sogar dieser Wanderweg fast einsam ist; bis auf ein paar Jakobspilger und Familien mit durchgeplanten Ferien kommt alle menschliche Bewegung in der Hitze zum Erliegen.
Wie schön das ist.
Der Himmel spannt sich so hoch wie nie; reifes Korn knistert in der aufsteigenden Glut. Vogellieder — wie klangen die noch? Schmetterlinge tupfen grelle Farbe über die Magerwiesen. An den Kanten raubt die Aussicht den Atem, die Wucht der Sonne ist ein Schlag in die Rippen dazu.
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Gut, wenn es einen Waldsaum mit Schatten gibt; ein Baum auf den Feldern tut es auch. Das Gras raschelt trocken und warm unterm Rücken; Insekten stäuben auf, sind aber zu träge zum Fliegen. Die einzigen Himmelsbewohner sind kleine Flugzeuge, deren Brummen das Blau erfüllt.
Später kommen Abstiege in steinigen Schluchten, in denen man wie in einem Ofen geht. Drunten dann: Bachgeriesel; die Arme ins Wasser, drei Atemzüge Kühle. Und wieder hinauf, hinter dem Rücken von Burgen, geradenwegs in die Sonne hinein.
Die ist auch gewandert; schräg bestrahlt sie nun das Tal. Ringsum reift es: Brombeeren, Pflaumen, Mirabellen und natürlich Trauben, alle Hänge voll. Der Weg hinunter zum Fluß liegt schon halb im Talschatten. Es atmet sich wieder leichter, die Luft glüht nicht mehr.
Meinen Pullover brauche ich dann für den künstlich kühlen Zug. Ich will mich ja nicht erkälten im August.
 
 
P.S.: An der Loreley war ich auch; die ist zugepflastert, beparkbar und touristisch in allen relevanten Sprachen erschlossen. Gastlich gegen Geld und zu Tode fotografiert. Ich war schnell wieder weg.

0 Gedanken zu „Hundstage

    1. Danke! In der Hitze hat das was ganz Eigenes. Man gewöhnt sich, erstaunlicherweise; muß nur Pausen machen, wenn es nötig ist. Und die Wasserflasche auffüllen, wo möglich.

      1. Es ist noch nicht so lange her, da konnte ich das auch. Jetzt nicht mehr. Das Alter macht sich bei solchen Anstrengungen eben doch bemerkbar.

    1. Danke!
      (Nicht für jeden, allerdings. Die begeisterten Eltern mit den zwei genervten Halbwüchsigen zum Beispiel, die sicher andere Vorstellungen von Urlaub hatten. Der Mitwanderer faßte zusammen: Spaß für die halbe Familie!)

  1. Als genervte Halbwüchsige bin ich da mit meinen Eltern gewandert. Ich sollte es mal wieder versuchen, habe nur leider im Moment noch gar keine Kondition. Vielleicht nächstes Jahr.

    1. Oder im Winter. Da freut man sich, wenn einem beim Anstieg ein wenig warm wird.
      (Vielleicht gibt muß man für den Rheinsteig mindestens vollwüchsig sein –? Mich hat ja als Halbwüchsige keiner da raufgeschleppt; ich frage mich gerade, ob leider.)

    1. Sagt der Vogel? Ich staune. .) Ich mochte sie dieses Jahr besonders. Ich bin immer noch nicht ganz darüber hinweg, daß wir dieses Jahr so lang auf Wärme warten mußten.

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