Unterwegs mit F.

Ich bin mit F. nicht oft gewandert; sie hatte viel zu tun. Wir gingen mehrmals wöchentlich spazieren, kleine Runden, und an die längeren Touren mit ihr kann ich mich gut erinnern.
Es war eine Freude, mit F. zu gehen. Sie war still, zuverlässig und freundlich. Fürs Kartenlesen und Wegzeichensuchen war ich zwar alleine zuständig, aber nicht einmal Zurückgehen — was ich hasse — machte ihr etwas aus. Sie beklagte sich nie. Nur dichten Wald mochte sie nicht; da ging sie mit gesenktem Kopf und blieb in meiner Nähe.
Das Konzept des Rastens schien ihr fremd. Setzte ich mich am Wegrand ins Gras, umrundete sie mich unruhig; hieß ich sie neben mir Platz nehmen, tat sie das zwar, hob aber immer wieder den Kopf und schaute mich verstört an. Legte ich mich nun gar hin und nickte ein, dann stupste sie mich schweigend wieder und wieder, so lange, bis ich aufstand und wir uns wieder auf den Weg machten.
Wie anstrengend die weite Strecke für sie war, merkte ich einmal, als wir in einem Eiscafé an der Straße einkehrten; da waren es noch acht Kilometer bis daheim. Ich bekam mein Eis und F. eine Schüssel Wasser, und statt zu trinken, stellte sie die Füße hinein. Auf dem Endspurt nach Hause war sie mir hundert Meter voraus, ein schwarz und weißer Blitz auf dem Bürgersteig; mir wurde himmelangst.
Aber als ich sie anderntags zum Spaziergang abholte, freute sie sich und folgte mir ohne Zögern.
Später sahen wir uns nicht mehr so häufig und wenn, dann meist in Räumen voller fremder Leute. Sobald sie mich bemerkte, kam sie über alles und jeden hinweg zu mir und legte mir stumm eine Pfote aufs Knie. Das hat mich sehr für sie eingenommen.
Manchmal hätte ich gern einen Hund. Aber nur einen wie F.

0 Kommentare zu „Unterwegs mit F.

  1. dieses „ja, aber“ in gedanken an hundehalten habe ich genau auch. ich bin zwar mit hunden aufgewachsen, doch heute habe ich zu ihnen ein ambivalentes verhältnis. auch finde ich hundehalterInnen oft sehr „machtausstrahlend“ …
    heute bin ich eher die katzenmögerin, aber eben, hunde wie f. mag ich dennoch …
    eine wunderschön erzählte geschichte aus dem echten leben.

    1. Danke, soso!
      F. war ein Hütehund, wie er im Buche steht, die Freundlichkeit selbst, nicht mal bellen mochte sie; nichts für Machtmenschen. Entweder ging sie mit oder nicht; das entschied sie selbst.
      Allerdings bin ich ziemlich sicher, daß sie ihre Menschen im Falle eines Falles verteidigt hätte.

  2. Oh, beinahe kamen mir die Tränen. Ich vermisse meinen Hund bei jedem Spaziergang. Mit ihm zusammen bin ich auch abenteuerliche Wege ohne zu Zögern gegangen, er war über jeden Weg begeistert. Manchmal läuft jetzt der Kater ein Stückchen mit, wenn er Lust hat, es ist aber nicht das gleiche, nicht diese Einheit beim Laufen.

    1. Ach, das glaube ich …
      Man geht beruhigter, weil nicht allein, und in der Gewißheit, da jemandem eine Riesenfreude zu machen. Gute Wanderbegleiter sind rar und ein großer Glücksfall.

      1. Mir fiel nach dem Lesen Deines Berichtes ein Wanderereignis ein: Nach langer Strecke, nicht weit vom Dorf entfernt, in dem wir im Urlaub wohnten, gab es einen sehr schmalen Grad, fußbreit nur, über ca. 100 m Länge zu überwinden. Der Hund setzte sich neben mich, meine Ratlosigkeit spürend und schaute fragend zu mir auf. Ich war ohne Idee, wie ich den Hund dort hinüberbringen sollte, Umwege waren nicht mehr drin, alle Pfoten brauchten Kühlung, meine auch. Schließlich gab ich schweren Herzens den Befehl: „Lauf!“ Der Hund tänzelte ohne Probleme auf die andere Seite und schaute auffordernd zu mir zurück. Erst da wusste ich, ich hatte das Problem, nicht er. Mit einem auffordernden Wuff, hell wie bei einem Welpen, setzte er mich in Bewegung. Ich konnte mir doch keine Blöße geben, als Wanderführerin. Drüben angelangt begrüßte er mich wie nach einer Woche Trennung. Hach. Erinnerungen.

    2. Oh, was für eine wunderbare Geschichte! Ich halte Hunde ja nicht generell für die besseren Menschen. Aber manchmal machen sie’s eben ohne Gebrauchsanleitung richtig …

  3. Von einem Hund wie F würde ich mich auch gern begleiten lassen. Schon oft hat sich im Urlaub, immer in Frankreich, auf Spaziergängen ein Hund zu mir gesellt und ist ein oft langes Stück Weg mitgegangen, was sich sehr schön und „heimisch“ anfühlt. Aber halten möchte ich einen Hund dann doch nicht, dann lieber wieder Katzen.

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