30 bunte Tassen — dreiundzwanzig

Für Schnupfennasen
Für Schnupfennasen

Das Fieber steigt, Lesen hat keinen Zweck mehr. Die gedruckten Worte bekommen heiße Flügel, verhaken sich auf ungeheuerliche Weisen in den Hirnwindungen und benehmen sich dort nicht gut.

Schlafen ist das beste. Einfach nicht mehr zuhören, die Augen schließen. Wie spät ist es? Egal. Einmal werden wir noch wach, vielleicht zweimal, und dann ist die Welt wieder im Lot …

Zum Glück habe ich das hinter mir. Wenn ich das Bett hüten muß, ist jedenfalls immer sie dabei, die große weiße Arzberg-Tasse. Sie faßt einen knappen halben Liter Brombeerblättertee, und dank Deckel hält sie ihn von einer Wachphase bis zur nächsten warm.

Möge sie lange auf ihren nächsten Einsatz warten. Und gute Besserung allen, die sie gerade gebrauchen können.

30 bunte Tassen — zweiundzwanzig (Nachsitzen)

weigel

Das Keramikerehepaar Gotlind und Gerald Weigel lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Gabsheim, auf einem alten rheinhessischen Bauernhof. Bei ihrem wunderbar restaurierten Wohnhaus haben sie in den Nebengebäuden eine Töpferwerkstatt mit Brennofen eingerichtet. Einmal im Jahr, im Herbst, gibt es eine Werkstattausstellung in der Scheune. Jeder Besuch zeigt: Auch wenn es sicher nicht immer einfach ist, die Weigels leben ihren Beruf. In einem der ältesten Handwerke der Menschheit schaffen sie wieder und wieder Neues.

Ich besitze ein paar Stücke von Gotlind Weigel, aus der Zeit, in der sie noch Gebrauchskeramik gemacht hat. Ich mag das, daß sie alle unterschiedlich sind und daß man ihnen den Fertigungsprozeß ansieht.

Die Tassen habe ich geschenkt bekommen. Ich verwende sie für ganz besondere Gelegenheiten.

weigel_tasseweigel_blau