Stapel

Bücher, die ich gerade lese
Bücher, die ich noch lesen will
Bücher, die ich angefangen habe, aber jetzt gerade nicht lesen kann
Bücher, die ich zurückgeben muß
Bücher, die ich (vielleicht) doppelt habe
Bücher, die (vielleicht) gar nicht mir gehören
Bücher, die ich verschenken will
Bücher, die weg müssen
abwesende Bücher (Platzhalter)
restliche Bücher

Und irgendwann sortiere ich die Regale.

 

 

 

In der Schwebe

Ich staple. In Kneipen und Cafés, am Frühstückstisch und im Restaurant entstehen vor meinem Platz Türmchen aus Gläsern, Salzstreuern, Vasen, Besteck; fragile Konstruktionen, die mein Gegenüber irgendwann beunruhigt im Auge behält.

Meist baue ich nebenbei, beim Reden und Zuhören. Versehentlich. Ich will nicht in die Höhe — manchmal verwende ich nicht mehr als zwei Gegenstände — und auch nicht für die Ewigkeit bauen. Im Gegenteil. Das Gleichgewicht muß mühsam erreicht werden und ständig in Gefahr sein. Ein Luftzug, ein schräger Blick muß die Arbeit einer halben Stunde zunichte machen können.

Nur dann, wenn die Balance kaum zu halten ist, stellt sich in meinen Zahnwurzeln dieses zufriedene Gefühl ein, von dem ich mir vorstelle, daß es der Grund dafür ist, daß Hunde so gern gute Lederschuhe zerkauen. Und geht sie dann verloren, die Balance, bricht mein Bauwerkchen zusammen — einfach so oder weil mein Gegenüber ein Salzkorn danach wirft –, dann seufze ich tiefenttäuscht. Zum Trost fange ich gleich von neuem an und türme den nächsten Unfug übereinander.

Irgendwann zahlen wir und brechen auf. Im Hinausgehen höre ich es klirren: Ah, unser Tisch wird gerade abgeräumt.