Kleider machen Leute – mit K wie Kilt.
Vor Jahren war ich rosenmontags mit Herrn G. in der Eifel wandern; raus, rauf und um alle Karnevalshochburgen einen großen Bogen schlagen. Es war bitterkalt, die Sonne schien, in den höheren Regionen lag Schnee, weit und breit kein Narr zu sehen – wir waren bester Dinge.
Irgendwann fällt jedoch auf jeder Wanderung der Satz, der Wege bisweilen ungeahnte Wendungen nehmen läßt: Och, so’n Kaffee wär doch jetzt schön! Wir bogen also vom Waldweg ab und peilten das nächste Dorf an. Kein Gasthaus, keine Bäckerei – weiter. Der Ort dahinter schien auch nicht vielversprechend, aber vom Feld aus sahen wir am Ortsrand ein Gaststättenschild.
Versuchen kann man’s ja. Also polterten wir, die Schuhe voller Schnee, die vereiste Treppe hinauf – tatsächlich, die schwere Tür ging auf. Drinnen war es laut, heiß und feucht, Folk-Musik lief; durch die beschlagene Brille nahm ich schemenhaft bullige Gestalten wahr, die Pelze und Röcke, nein: Kilts trugen; dazu fremdartige Laute – Englisch war das nicht, dann sicher Gälisch? Da steuerte aus dem Gewühl eine weibliche Gestalt auf uns zu: Heute ist geschlossen!
Langsam wurde die Brille wieder klar. Ach, schade, kein Kaffee? Die Wirtin schüttelte den Kopf. Nee, heut is hier zu! Heute täten sich hier bloß die ortsansässigen „Highlander“ für den Karnevalsumzug im Nachbarort vorbereiten, in einer Stunde gehe es los, der Trecker parke schon am Straßenrand …
Wir verließen die Gaststätte heiter. Draußen stand tatsächlich der dekorierte Traktor der „Highlander“. Der Wintertag gleißte, und es wurde auch ohne Kaffee noch eine erfreuliche Wanderung. Aber der Dialekt hier, meinte Herr G., der ist schon abgefahren.