Menschlichkeit

Es gibt schlimme Zeiten, und es gibt die schlimmsten. In denen werden Menschen für das, was sie sind und denken, systematisch verfolgt und getötet; das Recht ist außer Kraft gesetzt. Wer menschlich handelt und hilft, bringt sich selbst und die Seinen in Gefahr.
Die Zeit des Nationalsozialismus zählt zu diesen schlimmsten Zeiten und wird Generation für Generation in Geschichtsstunden analysiert: Wer waren die Machthaber? Wie konnten sie die Oberhand gewinnen? Was waren ihre Strategien?
Und dann gibt es das »Wunder von Dieulefit«. In Dieulefit im südlichen Frankreich, der bergigen Region der Drôme, fanden während des Vichy-Regimes über tausend Verfolgte Zuflucht und wurden gerettet. Kein einziger wurde denunziert.
Wie es die Bewohner dieses dünn besiedelten Landstriches geschafft haben, unter den Augen der Regierung so viele Menschen »verschwinden« zu lassen, sie unterzubringen und zu ernähren, das ist Thema einer Wanderausstellung, die ab dem 22. Januar in der VHS in Lich zu sehen sein wird.
Die »Topographien der Menschlichkeit« zeigen, wie Widerstand gelingt, was nötig ist, um mit den scheinbar geringen Mitteln der zivilen Courage Entscheidendes zu verändern. Den Frauen und Männern, die sich nicht dem Schrecken gebeugt, sondern ihm mit Mut und Einfallsreichtum begegnet sind, wird ein Denkmal gesetzt.
Die Initiatorin Anna Tüne ist als Deutsche nach dem Krieg in der Drôme aufgewachsen; sie kennt den Landstrich, seine Bewohner und ihre Geschichte(n) gut.
Die Ausstellung erzählt: Der Einzelne ist nicht machtlos, weil die Gesellschaft aus Einzelnen besteht. Aber Mitgefühl braucht es, Mut und Zusammenhalt.
Ich wünsche allen, die hier vorbeischauen, allen Lieben und allen, bei denen ich gerne mehr gelesen hätte, ein gutes neues Jahr. Daß nichts bleiben muß, was unerträglich ist, und daß, was gut ist, weitergetragen und stärker wird. Mitgefühl, Mut und Zusammenhalt überall da, wo es nottut.