Wer den Rhein bei Hochwasser wirklich kennenlernen will, muß da hinreisen, wo ihn Straßen, Bahntrassen und Weinhänge einzwängen. Wenn’s eng wird, wehrt er sich und läßt die Muskeln spielen, stemmt sich beidseits gegen die Hindernisse und geht über. Die Dauercamper flüchten sich in Wagenburgen auf höheren Grund. Schwimmbäder gehen auf Tauchstation, Sportplätze heute nur für Wasserball, mit Fischernetzen in den Toren. Sogar die Landstraße hat Landunter.
Die Hafenmolen sind gedachte Linien im Strom, hinter denen die Schiffchen an ihren Leinen reißen. Stege schwimmen eben obenauf, müssen sich aber recken, und raken Unrat aus dem Fluß. Bäume waten ans Ufer oder klammern sich an gekenterte Inseln. Manchmal treibt was Größeres vorbei; man hofft, es ist aus Holz.
Flußarme greifen zwischen die Häuser, daß die nasse Füße kriegen. Schweigen wir von Kellern. Enten paddeln bei Rot über die Ampel; Schwäne treiben in Parks herum oder steuern Schaufenster in den Uferstraßen an. Nur die Fahrwassertonnen sind, wo sie immer sind, auch wenn sich als einziges Schiff heute die Pfalz vor Kaub ins Wasser wagt.
Die Leute reden über den Fluß, wie er schwillt, was er füllt; wer weiß, wie lange noch? Und das ist sehr verständlich. Dem Rhein ist, das weiß man hier, nichts gewachsen.
Die schönsten Hochwasserbilder gibt es bei Karu – hier ist der Rhein ein Meer.
