Postkarte von der Bifurkation

Im südlichen Niedersachsen, bei Gesmold, sagen sich Hase und Else guten Weg. Dieser Hase ist eine Sie, und von der Else hat sie sich soeben getrennt. Beide sind Wasserläufe von der Größe eines Baches, aber sie werden, das hat man mir versichert, recht bald zu ordentlichen Flüssen, die winters auch mal über die Ufer treten und allerhand Ärger machen können.
Wie es dazu gekommen sein soll: der Holtener Fürstensohn liebte Else, eine Müllersmaid; doch eine Müllerin auf der Burg — das durfte nicht sein, und so stieß der erzürnte Fürst sie erdolcht ins Wasser der Hase, die daraufhin rechterhand überschäumte vor Wut und Trauer und seither einen Abzweig namens Else speist. So weit die Sage. Auch im wahren Leben sorgten Else und Hase für Aufruhr: beide trieben Mühlen an, und zwischen den Mühlenbesitzern gab es Streit um die Wasserrechte. Nachdem 1792 ein Hase-Müller die Else mit Steinen blockiert hatte, landete er im Gesmolder Schuldturm, der in Folge von aufgebrachten Bauern geschleift wurde.
Diese Zeiten sind vorbei; die Wasserverteilung ist heute zementiert: Hase — zwei Drittel, Else — ein Drittel. Keine Diskussionen im Naturschutzgebiet.

Rechts Hase, links Else.
Rechts Hase, links Else.

Das also ist die Bifurkation, eine der wenigen auf der Welt, und ich mag das, wie sie sich nicht wichtig macht — nach unten muß man schauen, Tafeln muß man lesen, und dann darf man ein bißchen staunen oder sich einfach hinsetzen und die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Ein beliebtes Ausflugsziel ist sie jedenfalls, die Flußgabelung im Grünen, für Wanderer, Radfahrer und Leute mit Keschern.
ges-hase ges-schloss ges-kirsche ges-wiesenschaum
Informationen gibt es beim Gesmolder Heimatverein.