Neues von der Kamera

Nein, immer noch keine neue Kamera. Geht grad nicht. Weil meine doch nicht weg ist, zumindest nicht so ganz. Zumindest muß ich das glauben, nach allem, was ich im Moment weiß.

Kürzlich fragte eine Freundin, die ich lange nicht gesehen hatte, ob ich denn meine Kamera zurück hätte. Auf meinen Blick hin (ich hatte ihr nichts von dem Verlust erzählt) hakte sie nach: Na, die hattest du doch in der Bahn liegen lassen. – Ähmja, das stimmt, aber woher weißt du das?

Stellte sich heraus: Im Dezember bekam sie einen Anruf, Fundbüro der Bahn, man hätte ihre Kamera gefunden, im Zug. Sie hatte keine Kamera verloren und daher dankend abgelehnt, woraufhin ein Brief kam, Fundbüro der Bahn: Kamera gefunden, bitte abholen. Da sie ja keine Kamera vermißte, ignorierte sie das Schreiben zunächst, dachte aber doch über diese seltsame Sache nach. Modell und Beschreibung des Fundstücks schließlich brachten sie auf den Gedanken, daß das meine Kamera sein könnte. Ein Anruf bei der Nummer auf dem Briefkopf, kurze Erklärung, meine Adresse durchgegeben, erledigt – also vergaß sie das Ganze.

Ich war baff. Zum einen: in der Kamerahülle hatte ein Zettel mit meiner Adresse gesteckt. Wie zum Uhu aber waren sie auf meine Freundin gekommen? Zum anderen hatte ich ja eine Verlustmeldung beim Bahnportal aufgegeben, ohne je eine Rückmeldung zu bekommen. Und schließlich: wo ist sie denn nun abgeblieben, die Kamera, zwischen Dezember und März?

Ich hatte mittlerweile ein paar interessante Telefonate mit diversen Fundbüroangestellten, die alle sehr hilfsbereit waren, aber auch nichts vom Verbleib der Kamera wußten. Man gab mir, sozusagen als ultima ratio, die Telefonnummer der zentralen Fundstelle der Bahn in Wuppertal. Wenn irgendwer was weiß, dann die, sagte man mir. An dieser Telefonnummer halte ich mich jetzt fest.

In Wuppertal geht keiner ran.

Es bleibt spannend.

 

 

 

0 Kommentare zu „Neues von der Kamera

    1. Haha, jetzt habe ich ein Bild im Kopf von einem Humphrey-Bogart-Hut, der meiner Kamera tief ins Auge blickt und mit rauher Stimme sagt: Uns bleibt immer noch Wuppertal …!

  1. Das mit der Adresse der Freundin ist ein klein wenig unheimlich, isn’t it? Ich meine, hat sie denn nicht die Leute von der Bahn gefragt, wie sie auf die Idee kamen, es sei ihre Kamera? Dafür mussten die doch irgendeinen Anhaltspunkt haben, also entweder eine Adresse in der Kameratasche oder eine Verlustmeldung. Aber da beides von ihr nicht vorlag – wtf?
    Mir fällt höchstens noch „Videoüberwachung“ ein, aber damit wäre man ja endgültig im Bereich der Verschwörungstherorien angekommen.
    Total rätselhaft!
    Wuppertal ist übrigens nicht nur das zentrale Fundbüro der Bahn, sondern das größte Fundbüro Deutschlands insgesamt. 250.000 eingelieferte Gegenstände pro Jahr. Man sollte hier besser nicht nach einem „schwarzen Rucksack“ fragen. Davon werden 30.000 pro Jahr registriert.

    1. Das ist unheimlich, ja. Ich brenne drauf, das aufzuklären … Soso, und Wuppertal ist ein Schwarzes Loch, das verlorene Materie anzieht? Wenn ich die telefonische Erreichbarkeit betrachte, schient mir Wuppertal außerdem das neue Bielefeld zu sein. Seufz.

  2. Du scheinst sehr an der Kamera zu hängen. Ich hätt längst eine neue gekauft, Geduld gehört leider nicht zu meinen Stärken. Außerdem fotografier ich viel zu gern.
    Aufregender ist aber schon dein Ansatz, ich bin gespannt, wie es weitergeht! 😉

    1. Na, und ich erst! — Und: ja, an der Kamera hänge ich; nicht nur war sie ein Geschenk, ich hatte auch schon hübsche Geschichten damit. Ich wäre gefühlt eine treulose Tomate gewesen, hätte ich sie leichten Herzens ersetzt.

  3. Das wäre eine schöne Kafkaontheroad-Geschichte, wenn sie mir passiert wäre. Eine seltsame Meldung, eine undurchdringliche Bürokratie und ein Ausgang, den man nicht beeinflussen kann. Sehr kafkaesk.
    Zu deiner Ermutigung: meine Erfahrungen mit dem Fundbüros der Bahn alle gut. Erst vergangenes Wochenende habe ich meine EC-Karte in einem Fahrkartenautomat stecken lassen. Auf dem Berliner Hauptbahnhof! Das ist eine 99% Garantie für viel Ärger. Aber nix is: Über den Info-point in Leipzig zum Info-Point in Berlin (alles Deppen) kam ich zum Fahrkartenschalter im Hauptbahnhof. Und da lag sie. Ein braver Bürger hatte sie abgegeben. Also: Alles wird gut!

    1. Ja, das ist wohl wahr: die Mehrzahl der Menschen ist privat nett und hilfreich. Sagt auch meine Erfahrung, und das ist tröstlich, doch. (Fundbüro. Das stelle ich mir einen schönen Job vor: Vergeßliche mit ihrem verlorenen Hab und Gut wiedervereinigen. Lauter Geschichten mt Happy End, zumindest potentiell.)

  4. Diese Geschichte klingt wirklich filmreif – und sehr geheimnisvoll und irgendwie absurd. Ich wünsche dir auch viel Erfolg oder sollte ich eher sagen „viel Glück“?!
    Vor vielen Jahren wurde mir übrigens am Mannheimer Bahnhof meine Brieftasche gestohlen, wohl, als ich in den Zug nach München stieg. Als ich wieder zuhause war, erreichte mich eine Nachricht der Bahnpolizei: Die Brieftasche war in einem Mülleimer gefunden worden. Nur das Bargeld – um die 50 Euro – fehlte, alles andere war noch drin, Ausweis, Führerschein, Kreditkarte – uff!

    1. Sie kommt! Wird mir zugestellt. (In Wuppertal hat mich ein Mann mit Radio sehr lange durch ein Haus getragen, also am Telefon meine ich, bis er dann irgendwann die Kamera irgendwo rausgezogen hat. Das muß riessig sein da, den Geräuschen nach zu urteilen.)

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