Neuer Wald zum neuen Jahr

Rockenhausen, hat schließlich Irgendlink vorgeschlagen. Also: Rockenhausen.

Die Pfalz kenne ich von früher, zumeist hinter Scheiben von Autos oder Ausflugsgaststätten. Da kamen Mitschüler her; da fuhr man durch und an Wochenenden vielleicht Schaubergwerke gucken. Jetzt gehe ich wandern mit einem Pfälzer und einer Schweizerin: Soso kann den Weg auf dem Telefon verfolgen (ich bin fasziniert, ich kann bloß Papier), Irgendlink hingegen hat einen bärtigen Mann im Kopf, der mit Tusche und Feder die interne Karte beständig aktualisiert. Ich glaube es sofort; wir gehen immer richtig.

Ich muß lachen, als Soso die Pfalz Flachland nennt; aber ja, klar. Ich beginne mir alle meine Landschaften aus der Sicht der Alpen vorzustellen. Haha, 500 Meter! – Trotzdem bleibt bergauf bergauf. Dann öffnet sich der Wald, und oh, auch 500 Meter und bedeckter Himmel können Aussicht: vor uns breitet sich das Land zum Rhein und weiter, in den dunstigen Fernen schwimmen Oasen von Sonnenschein, grün und golden, wie Miniaturmalereien in Bleiwüste. Lichtschäfte verbinden sie mit den Wolken: Frau Sonne trinkt Regen, nennt Soso das.

Burg Falkenstein ist auch schön, sind wir uns einig, steinerne Fensterrahmen um die Aussicht. An der Gaststätte steht zwar, daß sie geöffnet hätte, aber das ist gelogen. Wir essen draußen, bis uns kalt wird. (Könnte eine Definition von Winterwandern sein: zu kalt für Äpfel.) Dagegen hilft nur: einen Schritt schneller; aber mit Vorsicht. Die Straße durchs Dorf Falkenstein hat 25% Gefälle.

Auf der Strecke sammelt Irgendlink Kunst. Immer wieder identifiziert er Werke von MudArtist Heiko Moorlander, den die Pfälzer Erde sehr zu inspirieren scheint. Und war hier nicht auch der Schinderhannes aktiv? Es heißt doch immer, im Wald, da sind die Räuber, aber sonst fallen uns nur Seeräuber ein. Und, zu drei Vierteln Mythos, Robin Hood.

Das gäbe dieser Wald heute nicht her; der ist eher aus der Serie „Schlechte Verstecke“. Aber der Wechsel zwischen offen und baumbestanden, die Wellen und Hügel und der dicke Donnersberg, das alles fällt mittig in meine Kategorie „schön“.

Es ist wie mit dem Propheten im eigenen Land – wenn’s da, wo man’s schon ewig kennt, schön ist, ist man immer ganz entgeistert. Muß ich noch mal, die Pfalz. Und besonders gern: Kunst beim Werden zugucken. Und Geschichten aufsammeln.

(Gruß an Herrn G., der nicht mitkonnte, aber Christstollen gestiftet hat.)

 

Hurra, Soso hat sogar Bilder!

 

 

0 Kommentare zu „Neuer Wald zum neuen Jahr

  1. Bilder bitte! Von Lichtschäften. Und nein: Der Schinderhannes trieb sein Unwesen im Hunsrück. Und wenn man die Hunsrücker fragt, ist das keine Pfalz. Großer Unterschied, auch sprachlich. Geköpft wurde er allerdings in Mainz. Die Pfalz sehen und sterben.

    1. Der Mannefriedrich wurde in Heidelberg geköpft, er war manchmal in der Pfalz, auch ein berühmter Räuber.
      Selbst aus der Eifel, finde ich die Pfalz wunderbar, manchmal für mich im Sommer wie Toskana!

    1. Oh, tausend Dank! Der Abendfrieden hat mich gefreut, den hatte ich schon wieder vergessen. Nicht aber all die teppichgefüllten Kofferräume … nie wieder werde ich Autos auf Feldwegen sehen wie zuvor. Hach!

    1. Jaja, Steigung ist Steigung, egal ob sie auf 500 Meter oder auf zwoeinhalb Kilometer führt …
      (Und, weil’s bei Ihnen drüben nicht geht, hier: „Geht auch ohne“ scheint mir ein Motto, dem viel mehr folgen sollten. Das könnte der Welt guttun.)

    2. Das liegt ausschließlich an meinem seltsamen Rechnersystem, das mit keinem redet. Ist nicht so tragisch, ein Weg findet sich ja manchmal doch; und solang ich lesen kann …

  2. Feines Wanderziel mit komischer Zu-Einkehrdings.Mit unseren kleineren Kindern waren wir dort und mussten höllisch aufpassen, weil sie damals doch sehr zum Klettern neigten. Die Gaststätte war damals schon zu, leider. Man muss halt auf Wegzehrung bedacht sein.
    Neujahrsgruß von Sonja

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