Schwarz und gelb gescheckt: Ahornblätter, die als feuchter, rauher Teppich den Weg bedecken; darin ein gleiches Ahornblatt, genauso schwarz und gelb, das einen Fingerbreit über den anderen schwebt, vom eigenen Stengel im Abstand und in der Balance gehalten. Überhaupt, diese viel zu schwarzen Flecken auf dem Laub mancher Ahornbäume dieses Jahr. Wie Teertropfen, wie Löcher in mondlose Nächte. (Ich hätte das gern fotografiert.)
Oh, und wie das Licht mit dem Dunst des Flusses spielt an einem bewölkten Tag! Als würde das Wasser kochen, hebt sich Grau hinter Grau. Die Uferhänge ohne Laub, von rasenden Wolken schwarz gescheckt und hier und da von Sonnenflecken angesteckt, daß sie auflodern; der Strom unten, Silber und Blei, reicht den Weiden bis zu den Knöcheln und ist viel zu aufgeregt, um die Uferpromenaden ordentlich zu spiegeln. (Nun gut, das läßt sich, wie ich weiß, ohnehin nicht abbilden.)
Die Fassade der 20er-Jahre-Apotheke, Granit, mit stark stilisierten Tierkreiszeichen, wirkt unaufdringlich-repräsentativ. Es ist aber eine Wäscherei darin; in einem Fenster wirbt sie mit einem blütenweißen Hemd, in Folie auf die Scheibe geklebt. Direkt darunter das Tierkreiszeichen Krebs: sieht aus wie ein weiteres Hemd, aus Stein, aufgeregt winkend. Ich muß lachen und mache ein Bild. Ein junger Mann, der hinter mir geht, bleibt an derselben Stelle stehen, zieht das Smartphone und knipst ebenfalls. Vielleicht erscheint dieses Bild, auch wenn ich’s nicht mehr zeigen kann, in einem fremden Feed; das würde mir gefallen.
(Die Kamera ist wirklich weg; damit muß ich mich wohl abfinden.)
Gut – Du kannst wenigstens schreiben.
Das ist aber nicht dasselbe! .) (Danke.)
Und wie. Ein … mächtiger Text.
Ooooh, aber du machst hier einen Bildspaziergang mit uns, dem auch Sehbeeinträchtigte folgen können. Wie ein Film mutet das an. Wunderbar!
Ach, danke, Soso.
(Und, vermittelt, Dank an Irgendlink — hat etwas gedauert, aber die Bilder über Bilder sind da.)
Genau solche Texte hatte ich mir erhofft vom bedauerlichen Wegfall der Kamera. So, wie Du es beschreibst, habe ich es vor Augen und das ist die größer Kunst. Danke für diese Anschaulichkeit.
Danke! Tja. Das werden wohl mehr werden. Irgendwann besorge ich mir wieder eine Kamera, aber bis dahin …
…werden Deine Leserinnen zufrieden sein. 🙂
Frau Lakritze kann beides,mit Verlaub!
Jedenfalls, Spaß macht beides. Verschiedene Sorten Späße.
Das ist sehr schön.
Oh. Danke. Dabei hätte ich gern die Standarte der Fotografie ohne Anspruch hochgehalten.
Dann würde ich aber nicht in Zukunft bei jedem schwarz geflecktem Ahornblatt an Teertropfen denken. Das fände ich schade.
(Vielleicht probiere ich das auch einmal, aber nicht jeder hat Ihre Gabe, Poesie und Präzision zu verbinden.)
… wie schade, ich hoffe, es gibt bald Ersatz – wenn auch der Text die Bilder plastisch vor dem geistigen Auge aufblitzen lässt
Mit Ersatz warte ich noch — Strafe muß sein. Im übrigen: einen schönen Gruß und beste Wünsche! Ich freu mich immer über Lebenszeichen von Dir.
Ein Link, auf dass die Kamera doch noch auftaucht (no pun intended). Erinnert mich daran, dass ich so vieles mit meiner Handy-Nr. beschriften wolte. Aber welche Nummer sollte ich beim Handy selbst angeben?
Ha, das ist eine ausgezeichnet hübsche Geschichte. Das Händi muß natürlich die Festnetznummer tragen! (Und meine Kamera hat meine ganze Adresse; wer die behält, weiß, was er tut.)
Zwei kleine , nicht billige Kameras von mir haben Krümel im Objektiv. Die eine, mehr als 300 € teuer, hatte ich deswegen jüngst zur Reparatur. Jetzt hat sie einen neuen Krümel.
Die beiden ergänzen sich gut: Die ältere zeigt den Krümel nicht beim Nicht-Zoomen, die andere beim Zoomen.
Die Spiegelreflex, die ich auch habe, kennt solche Probleme nicht, braucht aber gelegentlich das Wechseln des Objektivs.
Hihi. Irgendwann ist die Frage, wie viele Kameras man um den Hals tragen kann. Für optimale, krümelfreie Ergebnisse.
Da sieht man wieder, dass Bilder nicht alles sind bzw. dass auch Worte Eindrücke und Stimmungen vermitteln können. Die Bilder dazu machen wir uns in unseren Köpfen.Trotzden ist es nicht schön, wenn plötzlich die Kamera weg ist, ich kenne das.