Kein Bild

War nicht mein Tag, und ich hätte die Kamera vielleicht daheim lassen sollen: Ich habe sie nur kurz abgelegt, um mein Gepäck ordentlich zu verteilen, und sie dann im Zug vergessen. Schon am Bahnsteig, der Zug war noch gar nicht richtig weg, fiel’s mir auf; die Kontaktummer für Fundsachen, die ich dann in einem Aushang las, begann mit 0900.

Ich erinnere mich gut, wie mir Derartiges mal in einem Zug eines Bahn-Subunternehmers geschah, in der Mittelrheinbahn auf dem Weg zu einer hübschen Wanderstrecke. Mein Hut, schon etwas mitgenommen, aber heiß geliebt, war in der Gepäckablage liegengeblieben. Ich fand am Bahnsteig eine Kontakt-Telefonnummer, rief an und hatte eine freundliche Dame am Apparat, die zwei, drei Fragen stellte, mich um Rückruf bat und mir dann sagte, ich möge eineinhalb Stunden später wieder am Bahnsteig stehen. Den Hut reichte mir der Zugführer dann aus dem Fenster des Führerhauses. Er lachte, ich strahlte; den Hut habe ich heute noch, die MRB in allerbester Erinnerung.

Nun also: 0900, oder Internet. Ich habe am Abend die Verlustmeldung im Netz aufgegeben, ein Formular ausgefüllt (Digitalkamera, Farbe: schwarz, wertlos auf dem Markt für Elektronik, mir aber sehr ans Herz gewachsen) und abgesendet. Noch in derselben Sekunde bekam ich eine Mail mit einer „Verlustmeldungsbestätigung“ und einer siebenstelligen Nummer, von der Fundservice DB AG (no reply).

Nun warte ich. Man kann nur hoffen.

 

 

 

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    1. Ach, noch habe ich ja nur eine Nummer. „Wenn Sie innerhalb von 4 Wochen nach dem angegebenen Verlusttag keinen positiven Bescheid erhalten, wird die Nachforschung ohne weitere Benachrichtigung eingestellt.“
      Wäre schon schade …

      1. Ach, und ich dachte, das sei die Nummer vom gefundenen Apparat. Tse. Na, dann drück ich ganz fest die Daumen, das eine ehrliche Findeperson sich deiner Kamera erbarmt.

  1. Ich möchte dir Mut machen. Nicht nur einen Hut, sondern auch meine vergessene Tasche mit der teuren Lesebrille drin habe ich von der Bahn wiederbekommen. Ich erhielt einen Anruf aus München, der Endstation meines ICE. Die Dame im Fundbüro hatte sich tatsächlich sich die Mühe gemacht, die Tasche auf mögliche Anhaltspunkte des Besitzers zu durchsuchen und hatte meine alte Visitenkarte gefunden und mich einfach angerufen. Alles wird gut.

  2. Ich erinnere mich daran, wie der Ex einmal seine Konzertgitarre vor lauter Nervosität in der Bayerischen Oberlandbahn vergaß, und wie er sie rechtzeitig und unversehrt wiederbekam und aus Dankbarkeit ein viel beklatschtes Spontankonzertlein am hiesigen Hauptbahnhof gab. Also drücke ich die Daumen und bin guter Hoffnung, dass auch Sie bald Ihre Kamera wiederbekommen.

  3. Ich ließ meine Kamera mal auf einem Berliner Fährboot liegen. Im Bootsflyer, den ich, warum auch immer, mitgenommen hatte, stand eine Telefonnummer. Das Boot ist tatsächlich wegen meiner Kamera zum Anleger zurück gekommen, ich hatte sie wieder und habe sie nie wieder irgendwo vergessen. Ich wünsche Dir natürlich auch so viel Glück.

      1. Also … ich hätte nichts dagegen, wenn Du nun alles beschreiben würdest, was Du sonst fotografiert hättest. 😉 Trotzdem drücke ich noch die Daumen.

  4. Auch wenn wir selber einmal kein Glück hatten. Und der Tochter ein neues schreibmäppchen kaufen mußten. Wünsche ich dir viel Glück das du deine Kamera wieder schnell in der Hand hast. Nur bei dem Gedanke daran, die Kamera zu verlieren macht mich schon nervös.

  5. Das Daumendrücken hilft bestimmt – und ich füge auch noch ein ganz festes hinzu. Habe auch schon die unglaublichsten Sachen verloren oder liegen lassen. Jetzt erinnere ich mich gerade nur an die Ereignisse, bei denen ich ich viel Glück hatte und alles zurückbekommen habe. Dieses Glück habe ich in letzter Zeit nicht in Anspruch genommen – es kommt jetzt bestimmt zu dir !
    Alles Gute!

  6. Oh, vergessene Kamera weckt in mir ganz schlechte Erinnerungen – ich wünsche dir mehr Glück und freundliche Finder. Dass die Bahn eine 0900er Nummer für ihr Fundbüro betreibt, ist ja wohl ein Unding.

  7. Früher war dann halt die Kamera weg und maximal 36 Aufnahmen auf Kleinbildfilm waren futsch. Heute ist es gleich eine Speicherkarte mit gefühlt tausend Bildern der letzten Jahre…

    1. Echt? Ich mache die Karte regelmäßig leer. Dann verliere ich beim Verlieren nicht so viele Bilder, und kein Finder kommt an allzuviele meiner Bilder. Nur eine abfotografierte Bitte an den Finder, sich bei mir zu melden (E-Mail) bleibt immer auf der Karte, und dieselbe Mitteilung als Readme.txt.

      Drücke aber auch alle Daumen – der Verlust liebgewordener Stücke ist immer traurig. Hoffentlich taucht das Ding wieder auf!

    2. Ich picke mir nach Fotostreifzügen immer ein paar Bilder von der Speicherkarte, und den Rest vergesse ich einfach.
      (Und ich habe einen Zettel mit meiner Adresse im Kamerafutteral; ganz altmodisch.
      Und nein, immer noch nix gehört.)

  8. Teures oder mir wertvolles Zeug nehme ich nicht mit auf Reisen, besonders keine Mauerritzenfotomaschinen, trotzdem drücke ich dir die Daumen. Die Zeit läuft doch, oder. Wie lange schon? Besteht noch Hoffnung?

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