(II) Museumsgeschichtchen

2014 im Bonner Landesmuseum ging es um römische Monumentalbronzen am Limes. Hier, am äußersten Rand des Imperiums, verkörperten Kaiserstatuen überlebensgroß die römische Macht. Sie alle wurden gestürzt, zerstückelt, eingeschmolzen. Es gibt sie nicht mehr. Diese Ausstellung wollte ich sehen.

In gläsernen Vitrinen aufgeschichtet und strahlend beleuchtet lagen Trümmerhaufen. Bronzebruchstückchen, manchmal vielleicht ein Finger oder ein Stück Gewand erkennbar; beschriftet nicht nur mit Fundort und Herstellungszeit, sondern mit dem Namen des Dargestellten und dem wahrscheinlichen Schicksal der Statue … Woher, verflixt, wissen die das? Und damit war ich für die nächsten Stunden verloren. Den Ausstellungsmachern voll auf den Leim gegangen. Es war großartig; ich würde es jederzeit wieder tun.

* * *

Gegen schlechte Laune hilft mir nichts so zuverlässig wie ein naturhistorisches Museum. Ich erinnere mich an einen finsteren Liebeskummer in einer französischen Kleinstadt, der mich in das dortige Musée d’Histoire Naturelle et d’Ethnographie trieb. Ich war da recht allein, und nachdem mich die Museumswärter als harmlos eingestuft hatten, konnte ich unbehelligt umherstreifen. Ich hätte, was da ausgestellt war, ohnehin nicht geschenkt haben wollen. Ausgestopfte Kleinsäuger schauten mich mit verrutschten Glasaugen an; einem fleddrigen Tukan hätte ich gern die Staubflocken vom Schnabel gepustet. Südseemuscheln, Knochenschalen, zerfranste Prachtschmetterlinge und Ansichtskarten aus den Kolonien gab es da; ein Sammelsurium aus zweifelhafter Taxidermie und dem Bodensatz von Matrosenkoffern … und mit jeder weiteren Schrecklichkeit wich die Verzweiflung, mit jedem schielenden Untier stieg meine Stimmung, und am Ende fühlte ich mich ganz genesen: schlimmer geht immer, nach fest kommt ab, und was ist schon ein bißchen persönlicher Kummer gegen die absurden Wunder der Welt?

Der Vollständigkeit halber: Ich habe ein Herz für vernachlässigte Museen und würde gern diese selbst in Museen ausstellen, denn auch in ihnen stecken Sorgfalt und Fachkunde und Leidenschaft. Nur daß wir heute, nun ja, drüber weg sind.

* * *

Bei der Nacht der Museen im Landesmuseum Mainz geriet ich in eine Gruppe Jugendlicher, die im Raum mit den steinzeitlichen Ritzzeichnungen über einem Frauenbild rätselte. Achsooo, von der Seite! Keine Arme, Beine, kein Kopf, hier Brust, da Hintern … Und darauf, staunte einer, haben die sich damals in ihren Höhlen einen runtergeholt?

So sehr ich lachen mußte — der Junge stellt die richtigen Fragen.

 

Zur Blogparade des archäologischen Museums Hamburg.