Nachricht aus der echten Welt

Jahrelang hat Magister Kraska seine Staunmeldungen gebloggt: aus dem Kulturbeutel älterer Jugendlicher geplaudert, die Banalität des Blöden beleuchtet, Träume kritisiert, seinem Ghetto ein Denkmal gesetzt. Nun lebt der Magister nicht mehr; vergangenen Dezember ist er plötzlich gestorben.

Blogger sind ein seltsames Volk. Wir können Menschen, die wir doch eigentlich nur schriftlich kennen, virtuell ins Herz schließen, sie einfach unserem Horizont einverleiben. Und jetzt? Jetzt können wir Kraskas Geschichten immer noch lesen, aber es ist nicht mehr dasselbe; da ist eine Lücke.

Ich denke an seine Frau, für die die Lücke unendlich viel größer sein muß, und an alle, denen er in ihrer echten Welt fehlt, Tag für Tag.

 

 

 

0 Kommentare zu „Nachricht aus der echten Welt

  1. Der Text in der Todesanzeige ist soo wahr. Ich kannte ihn zwar nicht, aber ich bin dennoch berührt. Und ja, dieses Bloggendenetzwerk ist wirklich auch irgendwie real. Und auch wirkliche Welt, wirksame Welt.
    Danke dir fürs Dranerinnern.

    1. Anders wirklich, mindestens ebenso wirksam, ja.
      (Und noch was: Eben schrieb ein Freund, bei Schriftstellern müsse man sich nicht ins Perfekt verbesserm, da stimme das Präsens immer.)

      1. Ja, dass wir hier per Tastatur und Bildschirm kommunizieren, macht doch das Gesagte nicht weniger real. Täuschen und enttäuschen kann man einander auch ganz ohne Internet.

  2. Ich kannte Magister Kraska und seine lesenswerten Beiträge zuvor nicht und bin erst durch Deinen Beitrag auf ihn und sein Geschriebene gestoßen: aufrichtig schade, ihn nicht zu seinen Lebzeiten schon gelesen zu haben.
    Danke aber für´s Hinführen.

  3. Ja, es ist so merkwürdig: Ich kannte nichts außer ein paar seiner Blogtexte, hatte nur ein paar Blogkommentare gewechselt und dann lange bedauert, nichts Neues von ihm zu lesen – und fühle mich jetzt sehr traurig bei dieser Nachricht. Umso mehr tut es mir leid für die, die ihn eigentlich kannten.

    Betroffene Grüße aus einer fremden Stadt an (nun plötzlich) einsamer Tafel.

  4. Ich kannte ihn aus Qype-Zeiten, war mir immer einer der liebsten Schreiber, an dem sich auch im positiven Sinne reiben konnte. Diese Nachricht heute morgen macht mich sehr traurig – zumal er genau einen Tag vor mir geboren wurde, und ich habe noch so viel vor …

    1. Schriftlich kennt man sich (vielleicht nur vermeintlich, aber doch fühlbar) besser. Und, ja, ich erinnere mich auch an die Kommentarspaltendiskussionen …

      (Oh, Du hast eine virtuelle Kerze angezündet!)

  5. Oh… auch ich kannte ihn als Schreibenden aus qype-Zeiten und habe immer gerne sein Blog gelesen. Oft musste ich lange über seine Beiträge nachdenken, das mochte ich besonders.
    Zünde auch ein virtuelles Kerzlein an…

  6. Diesen weisen Mann und Blogger kannte ich nicht, bis soeben.
    Danke – nun habe ich zu lesen.
    Die Todesanzeige ist (wohltuend) anders, nicht mit Abstand nehmen und so…
    Mein Geburtsjahr, der Mann – also Obacht geben…

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