In den Frühling gehts nach unten: U-Bahn-Station Universität; die Fliesen, die Decken, die Zierelemente sind so grün, wie Beton nur sein kann. So würde man Kinder- oder Krankenzimmer streichen. Darin tanzt einer kichernd vor seinem Spiegelbild, hängengeblieben in irgendeinem Rausch.
Nicht Lapislazuli und Sommerhimmel nicht, nicht Kornblume noch Meer: schnellhefterblau das Juridicum, als Anzugfarbe längst nicht mehr modern. Kein Mensch hier unten. Tintenfleckig taucht man wieder auf.
Am Bundesrechnungshof dann keine schwarzen, keine roten Fliesen: oh, das Orange von sommerlichen Dottern, von Pyramiden glänzender Apfelsinen, alle, und das finde ich besonders hübsch, nicht ganz gleich im Ton. Ich denke an die Rührschüsseln, die ich als Kind ausschlecken durfte; untrennbar ist dieses sonnige Orange für mich mit Kuchenteig verbunden.
Nichts bereitet vor auf das Braun unterm Museum Koenig; Schokoladenkeks, wenn man freundlich schaut. In jedem Fall ein Rücksturz in die Siebziger. (Oben im Museum haben sie einen ausgestopften Kakapo, diesen neuseeländischen Papageien, flugunfähig und von der heutigen Welt so sehr bedroht, daß seine Existenz ein teures Wunder ist: Über jedem Kakapo-Gelege wacht heute ein Vogelkundler und wärmt die Eier, wenn die Mutter mal das Nest verläßt; jeder überlebende Vogel trägt einen Sender und einen Namen … Als wolle die Menschheit alles, alles wieder gutmachen an dieser Art.)
Dann aber kommt die Haltestelle an der Museumsmeile, und die strahlt. Man wähnt sich im Inneren der Packstation: Butterblumengelb, und auch so glänzend. Wie lange man wohl bleiben müßte, um verrückt zu werden?
Das werde ich nicht herausfinden. Draußen lockt ein Museum mit einer Ausstellung über den Rhein, und es lockt der Rhein selbst. Und die Sonne.











Dieser Text ist wie eine Arie auf die Schönheit von U-Bahn-Stationen. Das muss man erstmal hinkriegen, ich zieh den Hut! 🙂
Gickel, danke! Das sind aber auch ausgesprochen prächtige Stationen. Und, das macht sie ein bißchen museal, so gut wie werbefrei. Toll.
Du Hinguckerin du und Wortefinderin. Ich hoffe, die Ausstellung war toll. J. hat sie gefallen, die Fotoausstellung glaub ich vor allem.
Dank seiner wußte ich von dem Kombiticket und daß man für die Fotos nicht in die Außenbezirke muß. Die Fotos habe ich schon ein paar Wochen früher angeschaut; ich mochte beides.
Die Fassade der Bonner Kunsthallen gefallen mir wieder und wieder, wie deine Texte und Bilder auch! Merci vielmals und herzliche Grüsse
Ulli
Danke! Ja, das ist ein stimmiges Ensemble dort; ich freue mich über allerhand Museen abseits der Hauptstadt. Das Frankfurter Städel ist auch eine Reise wert, und Rolandseck natürlich.
Sehr schöne Bilder, so was mag ich. Erinnert mich an die Seite von Ufoport Glufenteich mit seinen Ausgewählten Beiträgen zur Dokumentation des Universums, ich finde die Ästhetik und die Grundidee verwandt. Wohl kein Zufall? Ich drehe mich im Kreis, dennoch oder gerade deswegen: danke!
Na, wenn das mal kein Kompliment ist, danke! So sagenhafte Reportagen wie der Ufoport würde ich gern machen können, aber kann ja nicht jeder, nä. Natürlich bin ich bekennender Fan!
PS: Leider hat WordPress die Möglichkeit, sortierte Bildergalerien zu erstellen, abgeschafft; das finde ich schade.
Aber natürlich war das als Kompliment gemeint! An beide 🙂
Wo du überall bist, ich staune und erfreue mich an solcherart Reportagen!
Das wiederum freut mich! Danke!
Die Poesie des Untergrunds.
Sehr schön!
Die Macht der Farben. Was Farben mit einem machen.
In Bonn der Kunst wegen bin ich auch ab und an.