Segeln!

Im Folgenden kommt Werbung, schamlose Werbung. Aber keiner, der drauf reinfällt, wird mir nachher vorwerfen können, ich hätte die Unwahrheit gesagt oder irgendwas verschwiegen.

 

Sie haben zwei Beine, zwei Arme, einen Kopf vor allem und eine etwas robustere Vorstellung von Freizeitgestaltung? Dann machen Sie doch mal eine Ostseereise auf einem Großsegler! Die Clipper-No-Comfort-Tours sind wahre Wundertüten, Wetter und Crew lassen sich ja nicht vorausbestimmen. Sie sollten Freude an großen Maschinen mitbringen, denn nichts anderes ist so ein Schiff; Fremdsprachenkenntnisse (Fiert den Besan! Bullen los! Halse!) ergeben sich mit der Zeit von alleine.

Sie werden Teil einer Mannschaft, genauer: einer Wache. Einen Törn lang müssen Sie ertragen können, daß es nicht um Sie geht, sondern um das Schiff und ums Vorankommen. Die drei Wachmannschaften haben im Wechsel Dienst an Deck, rund um die Uhr, bei jedem Wetter. Sie werden mehr lernen, als Sie verkraften können, bis Sie es dann doch verkraften und noch mehr lernen wollen.

Schiffe sind dreckig: Salz und Feuchtigkeit aus der Luft mischen sich mit Ölschmier von Ankerwinsch und Maschine und allerlei anderem Schmutz. Auch Sie werden nicht sauber bleiben, bei schlechtem Wetter werden Sie bis auf die Haut durchnäßt. Duschen sind rar; je nach Schiff gibt es nur Toiletten und kalten Wasserhahn. In den meisten Häfen kann man duschen, meistens warm. An Bord riechen alle gleich – nach gammeligem Schiff.

Sie schlafen in einer Art Schrank, zusammen mit fünf bis sieben anderen. Eine Koje hat vielleicht einsachtzig auf einen halben Meter, beim Hineinwinden auf den Kopf achten, und wenn Sie geräuschempfindlich sind, Ohrenstöpsel nicht vergessen, irgendeiner schnarcht immer. Läuft der Schiffsmotor, ist ohnehin alles vergebens; der dröhnt und schüttelt das komplette Schiff durch. Privatsphäre funktioniert an Bord anders: wer die Augen zu hat, wird in Ruhe gelassen (es sei denn, es wäre ein All-Hands-Manöver; da werden alle geholt, gnadenlos).

Vier Mal am Tag gibt es Essen, meist gut und reichhaltig; schlagen Sie ordentlich zu. Seeluft und Arbeit machen hungrig. Mindestens einmal in der Woche haben Sie einen ganzen Tag Backschaft, da sind Sie Küchenhilfe unter Deck und haben sonst keinen Dienst. Backschafter schnippeln, waschen ab, putzen, decken Tische und sorgen dafür, daß alle zufrieden sind; sie tragen ein Geschirrtuch am Gürtel zum Zeichen ihrer Knechtschaft.

Oh, und Mobilfunkempfang: selten. Sehr selten.

Sind Sie noch da? Gut. Dann kann ich Ihnen jetzt auch erzählen, warum man das alles macht.

Die großen Traditionssegler sind schön, die schönsten Schiffe auf Gottes weiten Meeren. Kraftvoll, elegant, durchdacht bis zum letzten Nagel, und jedes unverwechselbar – möglicherweise zählen sie zu den schönsten Menschendingen überhaupt. Es ist eine Freude, sie kennen zu lernen, und geradezu berauschend, auf ihnen zu fahren nach den Regeln der Kunst. Rauhes Wetter ist Abenteuer, da müssen Sie sich anstrengen, bis Sie euphorisch sind vor Erschöpfung. Ist aber der Himmel heiter, der Wind stetig, haben Sie Muße und können Ihre Gedanken steigen lassen. Sie tanken tagsüber Blau und in den Nächten Sterne fürs ganze restliche Jahr. Menschen werden Sie begegnen, die Sie anders nie getroffen hätten, und die dasselbe wollen: unter geblähten Segeln durch die Wellen pflügen, weiter und weiter fahren, bis zum nächsten Hafen oder bis zum Rand der Welt.

Sie werden mit blauen Flecken, Schwielen, Muskelkater und Sonnenbrand nach Hause kommen, übermüdet und mit einem Sack schmutziger Wäsche, aber durch und durch erholt. Und wenn Sie sich nicht übermenschlich wehren konnten, werden Sie Ihr Herz verloren haben an das knarrende, duldsame Ungetüm, das Sie so wunderbar geschaukelt hat.

 

Segelverein Clipper-DJS – am besten gleich anmelden!

 

 

 

 

17 thoughts on “Segeln!

  1. Herrlicher Text und ich verstehe sehr gut, dass dir das gefällt. Ob es was für mich wäre, wage ich zu bezweifeln. Dennoch … faszinierend, wie du es erlebt hast und rüberbringen kannst. Danke!

    1. Ich gebe zu: man kommt Fremden sehr nahe, das ist nichts für jeden. Aber dadurch, daß es um etwas anderes geht, nämlich die Fahrt, und daß man sehr eng aufeinander hockt, entwickelt sich eine erstaunliche Rücksichtnahme; die meisten Menschen spüren, wo die Grenzen der anderen sind, und werden durch den Mangel an Rückzugsorten sensibler dafür. (Das macht Hoffnung für die Menschheit.)

    2. Einer, der als junger Bursche mit war, hat danach fast zwanzig Jahre Pause gebraucht; jetzt, beim zweiten Mal, meinte er, habe er endlich die Gelassenheit, die Verschiedenheit der Menschen zu ertragen.

    1. Naja. Wenn es sein müßte? (Ich müßte dafür noch viel lernen.) Das ist weder komfortabel noch ungefährlich, aber möglich wär’s schon. (Im Internet muß man gar nicht lange suchen …)

  2. herrlich geschrieben, ich lach mich schlapp….. und früher war ich Seglerin, aber halt mehr nur so für den Hausgebrauch…. ich kriege gerade wieder unbändige Lust, die Leinen los zu werfen.

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