Überm Tal spielen die Wolken Kriegen, dicke weiße Wale in den Tiefen der Luft, und schleifen ihre Schatten über die Ufer: Hügel wie schlafende Drachen, moosig bewaldet. In allem ein Hauch von Grün, überzuckert mit Knospen, und an der Promenade steht die Magnolie still in weißen Flammen.
Darunter brüllen sich zwei an, ein Mann und eine Dreijährige. Drohendes „Ich sag’s dir zum letzten Mal …“ auf seiner, „Maaaaamaaaaa!“-Gekreisch auf ihrer Seite. „Du bist ein blöder Papa“, heult das Kind, und als er sich zum Gehen wendet: „Nicht, nicht alleine lassen!“
Wir Passanten und Flaneure schauen höchstens verstohlen auf die Szene. Soll man hier nicht –?, aber darf man sich einmischen? Laut genug sind sie ja; diese Hilflosigkeit des Mannes, die vielleicht gleich in Wut umschlagen wird, und das Kind so untröstlich … Doch was würde es helfen?
Während ich noch den Wolken nachstarre, trifft mich ein Tropfen, und noch einer, und ein Regenschauer, gemischt mit Hagel, geht über der Promenade nieder. Schirme sprießen. Das Geschrei hört auf.
Später, Vater und Tochter sind längst fort, ist der Himmel genau über mir geteilt, eine graue, eine strahlend sonnige Hälfte; hoch oben blitzt ein Flugzeug auf, ein winziger glühender Splitter im Blau. Gleich wird er in der Wolkenwand verlöschen.
Was will man mehr, als solche ‚Splitter im Blau‘ des Lebens zu lesen (und zu schreiben). Ich lese es gleich nochmals, langsamer.
Beim zweiten, ganz gemächlichen Lesen ist es nochmals schöner. Und ganz besonders die beiden letzten Sätze, die müssten … Ja, nun, müssten einen Platz bekommen, der weiterreicht. Ich sage mal danke.
Oh, ich danke sehr!
Der Himmel hat Dich im Blick.
Ich bin nicht sicher, ob das ein Segen oder eine Drohung ist. ,)
alles … und ich würde mich einmischen, wahrscheinlich, würde ich?
danke für dein gelungenes bühnenbild!
komm gut durch den sturm
Ich bemühe mich — heute flog mir schon ein Ladenschild um die Ohren. .))
Einmischen: würdest Du? Ich habe wirklich drüber nachgedacht. Mit welchem Recht hätte ich etwas sagen sollen? Und der wirkliche Schaden, gegen den kann man kaum einschreiten, so im Vorübergehen. Achje.
tja, das einmischen …
ich weiß es eben nicht genau. ich habe mich in ähnlichen situationen eingemischt. mit dem recht, dass ich der meinung bin, das kind braucht schutz.
ob ich es wieder tun würde hängt vermutlich von der situation ab.
und ja, wer sagt, was das wohl des kindes überhauprt ist? … schwierig.
trotzdem liebe grüße 🙂
Das ist eben die Frage. Ungebetene Hilfe ist ja mitunter die schlimmste; vielleicht kriegt das Kind erst richtig Ärger, wenn man dem Vater sagt, junger Mann, ma nicht so laut?
Zumindest setzt so eine Szene Überlegungen in Gang: was hätte man selbst getan, was steckt dahinter, und eben: soll ich …?
ja genau! allerdings spätestens, wenn jemand das kind hart anfaßt, dann setz bei mir ein instinkt ein. dann kann ich nicht nachdenken, nur helfen.
ich habe schon zweimal mütter angsprochen, die ihre kleinkinder schlugen.
habe sie abgelenkt. dinge gefragt, die die frauen erstmal aus dem schreien rausholten. ganz ruhig gesprochen und nachdem es eine ruhigere antwort gab, habe ich gefragt, ob ich helfen könnte.
so war die situation in diesen fällen entschärft. vorwürfe oder zurechtweisung habe ich mich allerdings auch nicht getraut.
danke dir fürs anschubsen 🙂
Stimmt schon. Wenn ein Kleinkind geschlagen wird, ist es klar. Aber bei so Sachen wie „ich laß dich hier alleine“, zu einem Kleinkind — herrje; das läuft unter seelische Grausamkeit. Nur: was da sagen?
Du malst mit Worten Bilder, Geschichten, Naturschauspiele wie sonst niemand.
Eine Leselust immer wieder!
Danke! (Machst mich ganz verlegen.)
… soll man, soll man nicht ?? – ja, das ist wohl eine Gratwanderung, vor der ich auch jedes mal stehe. Mal entspannt man die Lage, mal kann es aber auch nach hinten losgehen – und dann auf jeden Fall mit Schaden für den Schwächeren.
Gestern Abend erst wieder furchtbar Realistisches zum Thema im TV – ich heule nicht oft, aber bei einigen Szenen schossen mir die Tränen in die Augen und kalte Schauer krochen von den Füßen hoch zum Kopf.
Wie tröstlich sind da Deine immer ausgefeilteren (im allerbesten Sinne) Stimmungsbeschreibungen, in denen man sich so positiv geborgen fühlen und wiederfinden kann.
Danke, meme; dabei habe ich nichts beizutragen als: ich weiß es ja auch nicht. Aber zumindest nachdenken muß man wohl.
Das Nachdenklichmachen schaffst Du ganz leicht. Danke.