Blau steigt der Tag über die struppigen Hügel und bringt Kälte mit. Der Schnee von gestern: heute bleibt er liegen, und kriegt noch eine Glasur, daß er bei jedem Tritt knackt wie feinstes Porzellan.

Da wird der innere junge Hund ungebärdig: es hat geschneit! Schnee liegt! Und das glitzert in der Morgensonne – raus, nichts wie raus!
Also raus, rauf, schauen. Aufstieg und Sonne machen die Kälte erträglich, und die Aussicht, natürlich: das Flußtal in weiter Herrlichkeit, die Weinhänge ab der halben Höhe weiß – ein Prachtwintertag.
Eine Einheimische aus dem Tal hat mir freundlich den schönsten Weg für diesen Tag gewiesen, der bringt mich nun durch den Wald an einen Bach, mit Felsen und Mühlen und kleinen Wasserfällen. Auf Wiedersehen, Sonne! Die wird mir nur noch die Hügelkämme vergolden, so daß es aussieht, als stünde hinter dem verschneiten Wald ein anderer, märchenhafter, oder vielleicht gleich das Paradies. Ich gehe am Wasser weiter.
Der Winter muß die Pflanzenwelt hier unten überrascht haben, denn sie verharrt saftiggrün an den Wasserfällen, jedes Blatt eingeschlossen in Eis. Der Bach selbst strömt ungehemmt. Er hat jahrhundertelang Mühlen betrieben, in denen es heute höchstens noch Mahlzeiten für Wanderer gibt.
In so einer Mühlen-Gaststube wärme ich mich auf. Da schlafen Wirtshaustische unter geflickten Decken; der Kaffee steht in einem Fußbad, Tauwasser läuft aus meinen Schuhprofilen aufs Linoleum, während die Wanduhr die Zeit rückwärts tickt. Der einzige andere Gast seufzt über seinem Wein, bis wir uns irgendwann doch übers Wetter unterhalten (er ist öfter hier). Von November bis Februar, dröhnt er auf Platt, kommt die Sonne nicht ins Tal. Die Mühle noch gängig, doch, auch wenn seit 1956 nicht mehr gemahlen wird. Ich fühle mich, als sei das eben erst gewesen, als ich mich wieder auf den Weg mache.
Der knirscht bei jedem Schritt und prahlt mit seinem Schmuck aus Eis.

Am Abend rollt sich mein innerer junger Hund müde und durchgefroren zum Schlafen zusammen. Er ist höchst zufrieden mit diesem Wintertag; und ich bin es auch.
oh … Sonne! Das freut mich für dich, hier hängt weiterhin der schwere Schneehimmel und hält seine Pforten geöffnet, nach solch einem Spaziergang sehne ich mich … bald!
herzliche Grüsse
Ulli
Oh, dann wünsche ich Dir Sonne, richtig schöne Wintersonne zu Deinem Schnee. Ein paar wochen hat der Winter hoffentlich noch.
Wunderwintertaggeschichte-Weberin du. Und die Bilder erst! Groß!
Oh, danke. Ich hatte einen Spaß am Bildermachen wie überhaupt nur. (Falls Ihr mal in Dland wandern wollt, ich wüßte da paar Strecken.)
Mal mit dir? Gerne.
Tagestouren wüßte ich einige schöne, je nach Wunsch mit mehr oder weniger Zivilisation –!
es ist immer ganz besonderes. die stille, wenn die weiße decke sich über alles gelegt hat! diese luft, die ganz sauber und noch klarer als klar schmeckt. der Himmel ist blauer durch das weiß. hach. hier ist auch grade winterwunderland! ♡
Ich habe den Winter gern, wenn er nicht zu lange bleibt — das gilt für alle Jahreszeiten, würde ich sagen. Ich will Abwechslung! .)
So gute Worte zu den den stimmungsvoll schönen Fotografien…
Vielen Dank dafür und morgenmüdkalte Grüsse aus dem erwachenden Bembelland
Danke, Herr Ärmel! Und ich wünsche gutes Gelingen in allen Vorhaben; für irgendwas müssen naßkalte Tage ja gut sein.
Ich danke Ihnen für den guten Wunsch. Tja, sind nasskalte ja wirklich für derlei gemacht – wer weiss…
Was für ein schöner Spaziergang, auf den du uns mitgenommen hast, danke dir sehr!
Nichts scheint mir besser zu solchen Mühlen zu passen als „im kühlen Grunde“. Hier war es heute trotz der kalten Luft schon beinahe frühlingshaft. Viel zu früh.
Bezaubernd bebildert.