Ein Anlaß findet sich immer, zum Beispiel der, daß wir altern. Gefeiert wird! Sekt in Strömen! Herren in feinem Zwirn, Damen im kleinen Schwarzen, bittesehr!
Irgendwo unter dieser Adresse werden wir doch eine Dame finden. Viel braucht es eigentlich nicht, bißchen Glitzer, bißchen blickdicht, bißchen Absatz in Lack, und da wäre sie auch schon. Mit im Spiel: die Federboa Marke »halber Schwan«, die Perlenkette über den halben Rücken und Handschuhe bis zum Ellenbogen.
Nach Einbruch der Dunkelheit begrüßen sich lauter Fremde; aus den schönen Mädchen sind schöne Frauen geworden, und die Jungs von damals füllen ihre Jacketts. Die Jahreszahlen bei der Vorstellung deuten auf Vor- und Frühgeschichte, und wo hast du bloß dieses sagenhafte Kleid her? Aber Gelächter ist schnell zur Hand, die Musik dreht auf, warum also nicht gleich: Hals über Kopf?
Gruppen hüpfender und wippender Menschen mit Hosenträgern und Hüten oder mit fremden Federn geschmückt, und die Perlen auf den Kleidern korrespondieren schön mit Silber im Haar. Vorsichtige Blicke über die Tanzfläche: Na, wie wär’s, noch einmal, wie damals? Was für eine Frage – let’s swing!
Dann rauscht das Fest auf, die Stunden verschwimmen; erhobene Arme, gelüpfte Hüte und eine Serviette mit einer unlesbaren Botschaft, die der Saaldienst abräumt. Der halbe Schwan zeigt Talent zur Boa constrictor; bis zu drei Personen passen in eine Laokoon-Gruppe, aber am Ende fliegt dann doch das Gefieder, und alles geht noch mal gut.
Im Spiegel Fremde unter Fremden, doch alle zusammen sind wir Freunde, einmal wieder, für die Nacht. Jetzt werden Blicke überm Rotweinglas aufgefangen, Lächeln geblitzt und Schultern gezuckt. Alte Geschichten füllen den Raum bis zum Rand.

Am nächsten Tag ist der Schnee zu hell, und die schmerzenden Köpfe und Knochen lassen keinen Zweifel: vorbei die Zeiten der zertanzten Schuh. Wir hätten es ja wissen können. Aber das nächste Fest, das wißt ihr auch, das feiern wir wieder, wie damals.