Wenn die Sonne täglich tiefer in die Gassen faßt und täglich länger über den Kalkputz der Mauern streicht, hält es den Wein nicht mehr in seinen Knospen. Grün vor Grau schiebt er sich aus den knappen Hüllen, streckt sich Finger für Finger und fängt das Licht: selbst hier, mitten in der Stadt, glänzen seine Blätter wie lackiert; für eine Weile jedenfalls.

Zwei Sätze und alle wesentlichen Eigenschaften des Frühlings sind da. Schöne Beschränkung!
Wollte eigentlich schreiben: kunstvoll. Schön ist so banal.
Danke! Und: schön ist doch oft schöner als kunstvoll; so künstlich ist es hoffich nicht. .)
Nein.
Das ist meine Übung: von Texten alles wegnehmen, bis nur noch der eine Klang übrigbleibt, den ich wollte. Klappt natürlich nie; ich neige zum Durcheinander.
Hm, ja ich auch, nur noch ohne Wegnehmen. Bei mir kommt dann noch die Ungeduld dazu, ich veröffentliche was, und sehe Tippfehler, Kommafehler und ungelenke Formulierungen, teilweise mache ich das dann noch raus, manchmal habe ich keine Lust dazu.
Ja, Geduld und Verknappung, sollte mir was von Dir abschauen.
Dafür sind meine Texte nie fertig — ich ändere manchmal noch Jahre später an ihnen herum. Auch nicht so, naja, zufriedenstellend.
Wirklich? Bewundernswert, also nach spätestens 3 Tagen habe ich sowohl inhaltlich als auch formal so ziemlich alles abgehakt, dann ist es für mich Geschichte 😉 Aber ich schreibe ja auch nur für das Blog.
Ein Blog lädt ja auch zum Ändern ein. Schlimm dagegen bei anderen Texten, die einem die Schamesröte ins Gesicht treiben, und man kann nichts mehr tun, gar nichts … Oje. 🙂 (Neurosen eine Korrekturleserin.)
Also Blogtexte sind ja schon manchmal geeignet, einem die Schamesröte ins Gesicht zu treiben, in der Schublade würden sie manchmal weniger Unheil anrichten. Aber Deine eigenen Texte meinst Du sicherlich nicht mit Schamesröte, und bei fremden liegt es doch in Deiner Macht zu ändern, oder?
Neinnein, ich meine schon die eigenen. Die sind die schlimmsten. Meine Diplomarbeit zum Beispiel. Ich habe sie, frisch aus dem Druck, aufgeschlagen und gleich einen Grammatikfehler darin gefunden. Danach habe ich nie wieder reingeschaut, aber das verfolgt mich immer noch …
Das ist natürlich bitter für eine Perfektionistin 😉 Ich kenne die Situation (nur zu gut), dass man zwei Wochen lang Tag und Nacht an einem Budget oder Ähnlichem gearbeitet hat,(50 Excel-Tabellen und 20 Seiten Verbalisierung) dann steht man vor 3 GFs und 5 Bankern und beamt den Quark an die Wand: Äh ja, Tippfehler in ner Überschrift oder irgendne Excel-Spalte unleserlich. Tippfehler gehören definitiv abgeschafft! Bin für Rechtschreibanarchie.
Bei uns ist der Wein noch weit zurück, nix zu sehen bisher.
Dennoch, der Klang gefällt mir.
Herrlich, diese wildwuchernden alten Weinstöcke. Wenn man sie unverhofft in der Stadt, vor den Häusern dem Asphalt trotzend, antrifft, kann das nur ein gutes Zeichen sein … für was auch immer 😉
Ich mag den wilden auch sehr gerne, so genügsam, so kraftvoll und bis in den tiefen Herbst hinein farbenfroh.
Ottogang, danke. Der kommt schon noch, der Wein. In den engen Altstadtgassen, den windgeschützten, etwas früher.
3Hblog, ist ein gutes Zeichen! Leider haben sie den Efeu in unserem Innenhof umgebracht (SEHR ärgerliche Geschichte; kein Augentrost mehr für mich); ich erwäge nun das guerillamäßige Ansiedeln von wildem Wein. Ich will auch wieder gute Zeichen.
Karu, das Rot! Darauf freue ich mich auch schon wieder. Dauert aber noch ein bißchen, glücklicherweise.
Wilder Wein oder erntest Du auch?
ich hab gleich noch einmal genau nachgeschaut, so ganz kleine Spitzen strecken sich schon. Hast recht, kommt schon noch.
Reblogged this on bilderbuch und kommentierte:
schöne Worte für den „Frühlingstrieb“
Im Bild und den wenigen Sätzen steckt alles drin: Es geht voran.