Holunderblüten

Holunder, Holler, Flieder, Attich: Aus den Beeren kocht man Saft und Mus und Medizin, denn erst durch Kochen werden sie bekömmlich. Bibelrückenschwarz glänzen sie, schmecken streng nach Studierstube und ein bißchen nach dem Bitterernst des Lebens.

Holunderblüten aber sind ganz etwas anderes. Schon das Wort klingt nach Leichtsinn, nach Dreivierteltakt. Als winzige Ballkleider bauschen sich die weißen Dolden, schön wie Schaum mit ihren Knospenperlchen, lachen und locken, spielen kichernd im dunklen Blättergrund Versteck. Nach Holunderblüten duften April und Mai, auch Juni noch: Nun streif schon die wollenen Röcke ab! Atme tief, sing laut! Mach Sprünge ohne Strümpf‘ und Schuh‘! Laß dich hinterrücks von der Wiese umarmen und blinzle ins Licht!

Diesen Duft nach Sommerverheißung, diesen goldenen Übermut, kann man die einfangen und in Gläser füllen? Als Vorrat für den Herbst?

Holunderblütengelee
Holunderblütengelee

O ja. Man kann!

0 Gedanken zu „Holunderblüten

  1. Nicht so schmackhaft wie „Holler-Sekt“ ist Holundersaft mit heißem Wasser gegen Erkältung. Ich habe meine Oma geliebt – solange ich diese Medizin nicht trinken mußte.

    1. (Der steht schon wieder auf der Abschußliste wg. zu kitschig.)

      Ich wünschte, ich könnte gutes Holunderblütengelee machen. Kann ich nicht; ich glaube, da braucht man mehr als ein gutes Rezept.

  2. schöne Beschreibung von Blüten und Beeren. Hier ist Frühjahr und Herbst in einer Pflanze vereint.

    Mein Vater serviert seit Neustem Hugo: Holunderblütensirup, Sekt und Mineralwasser. Erfrischend und leicht.

  3. Neulich habe ich ein Glas Holunderblütengelee von einer guten Bekannten bekommen.
    Bevor ich das öffne muss ich erst mal ein Himbeer/Johannisbeermarmeladenglas leer essen.
    Ich freue mich schon darauf…

  4. Betr.: Goldener Übermut

    Jetzt übernimmst Du schon die Kitsch-Phobie von unserer lieben Hyke. „Goldener Übermut“ ist nicht kitschig, sondern reine eichendorffsche Ausdruckskunst, eine Wendung im Ballkleid eines schön abgehangenen, gut durchbluteten Sprachhandwerks, metaphernsicher und ästhetisch unbedenklich! . Außerdem ein Tipp von Hausmann zu Hausfrau: Wird eine Formulierung zu süßlich, tu einfach ein Tröpfchen augenzwinkernde Ironie dazu, daß rettet die gesamte Chose. Es reicht schon, wenn man beim Lesen nicht ganz sicher ist, ob Du nun zwinkerst oder nicht. Schon eine Prise Ironie-VERDACHT macht das Gericht kitsch-frei!

    1. Kitsch-Phobie … nein, phobisch bin ich da nicht; gelegentlich hab ich ihn gern. (Eichendorff, klar. Äh, Eichendorff?? Robert Schneider, näh. Religiös motivierter schon mal, politischer lieber nicht. Etc. p.p.)
      Aber Kitsch steht halt nicht jedem.

  5. Ein leichtes Lied.
    Es ist schon fast Ende November und ich schaue minutenlang aus dem Fenster und frage mich, ob es wohl je wieder aufhören wird, zu regnen.
    Ist schwer, sich aus so unendlicher Entfernung den Mai vorzustellen.
    Merci, wunderschöner Text.

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