Die Ordnungen zur See

Im Grunde ist es klar: Himmel oben, Meer unten; und alles dafür tun, daß es so bleibt.
Seezeichen, sagte der Kapitän, seien für Idioten gemacht. Deshalb seien sie simpel; regelrecht narrensicher. Denn: früher sei ja vor allem zur See gegangen, wer an Land nix geworden war.
Alles hat Richtung und Reihenfolge: wie herum gewickelt, was wo aufgehängt, wem was gesagt wird. Damit Land und Wasser gründlich geschieden seien, tragen die Dinge andere Namen auf dem Meer. Abläufe wie am Schnürchen, daß im Dunkeln, bei Windstärke Elf, bei Mann über Bord, in der endlosen Routine der Deckswachen jeder Handgriff sitzt.
Viele Jahre, erzählte der Kapitän, sei er für Monate am Stück um die Welt gefahren; seine Frau und er hätten sich Briefe geschrieben. Schnell lernten sie, Durchschläge der eigenen Nachrichten aufzubewahren, denn die Antwort auf eine Frage aus dem Sommer kam oft erst im Herbst.
Die Fahrrinnen mit Tonnen und Leuchtfeuern; Strömungen, Winde, die Gezeiten, und über allem als höchste Ordnung die Gestirne.
Auf der Seefahrtsschule standen Fächer wie Nautik, Navigation und Englisch auf dem Lehrplan – und, über eineinhalb Jahre hinweg, eine Wochenstunde Literatur. In dieser Stunde wurde, nach Gattungen sortiert, die Literatur im Hinblick auf die Seefahrt behandelt, von der Odyssee über Melville bis zu Joseph Conrad. Wozu? Für die langen Nächte? Der Steuermann zuckt mit den Schultern. Ihm hat es gefallen; heute ist das alles abgeschafft. Die ganze Seefahrtsschule: Vergangenheit.
Die Sternbilder sind seit GPS nicht mehr so wichtig. Aber sie machen den Blick zum Nachthimmel wunderbar.