Ich stand im Supermarkt an der Kasse, da hörte ich, wie hinter mir jemand sang, leise, erst beim dritten Mal Hinlauschen wahrnehmbar. Die Worte waren fremd, Hindi vielleicht; ein Hymnus an die Sonne oder eine Einkaufsliste, weich und fließend wie die Melodie. Und die Stimme: eine Gänsehautstimme. Weder alt noch jung, nicht ganz männlich und nicht ganz weiblich, nur warm und sanft, gemacht für wirksame Beschwörungen.
Ich ließ mich hypnotisieren, träumte mir Gestalten und Gesichter zu dieser Stimme, Landschaften, Schicksale, Begegnungen, wollte nur noch ein bißchen stehenbleiben … Die Schlange vor mir wurde viel zu schnell kürzer. Als ich mit dem Bezahlen dran war, drehte ich mich um.
Ich entdeckte einen Mann um die Dreißig mit verfilztem Haar. Er starrte geradeaus und schwankte leicht vor und zurück; sein kreischroter Pullover war durch die Löcher im Mantel erkennbar, während er ein paar Bierflaschen an sich drückte. Kein Zweifel, er war mein Sänger.
Das war die zweite Gänsehaut an diesem Tag.