Maiwurm

So sieht der Maiwurm aus.

Gut drei Zentimeter ist er groß und gar nicht scheu, blauglänzend, Fühler wie ägyptische Zeremonialstäbe aus Perlen: der Schwarzblaue Ölkäfer. Warum er so unbefangen über den Weg spaziert, erfahre ich später – aus seinen Beingelenken kann er bei Bedrohung ein Nervengift absondern, das ihn offenbar vor den meisten Freßfeinden schützt: Cantharidin, auch bekannt als Aphrodisiakum, gewonnen aus der Spanischen Fliege. Beim Menschen kann es Hautblasen und Nekrosen verursachen.

Beim Nachlesen über dieses seltsame Tier staune ich aber weit mehr über seine Freßfeinde. Einige Insekten nutzen sein Gift für die Fortpflanzung, als Lockstoff, der Paarungsbereitschaft signalisiert. Napoleons Soldaten sollen sich in Ägypten mit Froschfleisch vergiftet haben; Fröschen, Igeln und einigen Vögeln schadet das Gift wohl nicht. Und dann gibt es einen Gänsevogel, der gezielt Ölkäfer frißt, ihr Gift anreichert und so für den Menschen ungenießbar wird.

Gescheites Tier.