Maiwurm

So sieht der Maiwurm aus.

Gut drei Zentimeter ist er groß und gar nicht scheu, blauglänzend, Fühler wie ägyptische Zeremonialstäbe aus Perlen: der Schwarzblaue Ölkäfer. Warum er so unbefangen über den Weg spaziert, erfahre ich später – aus seinen Beingelenken kann er bei Bedrohung ein Nervengift absondern, das ihn offenbar vor den meisten Freßfeinden schützt: Cantharidin, auch bekannt als Aphrodisiakum, gewonnen aus der Spanischen Fliege. Beim Menschen kann es Hautblasen und Nekrosen verursachen.

Beim Nachlesen über dieses seltsame Tier staune ich aber weit mehr über seine Freßfeinde. Einige Insekten nutzen sein Gift für die Fortpflanzung, als Lockstoff, der Paarungsbereitschaft signalisiert. Napoleons Soldaten sollen sich in Ägypten mit Froschfleisch vergiftet haben; Fröschen, Igeln und einigen Vögeln schadet das Gift wohl nicht. Und dann gibt es einen Gänsevogel, der gezielt Ölkäfer frißt, ihr Gift anreichert und so für den Menschen ungenießbar wird.

Gescheites Tier.

 

 

0 Kommentare zu „Maiwurm

  1. Womit sich die gebeutelten Soldaten Napoleons schon alles vergiftet haben sollen! Einer anderen Geschichte zufolge gab es Tote, als die Recken einen Hammel an Spießen aus Oleanderholz brieten.

      1. Das kenne ich! Ich hatte auf meinem Balkon mal ein Spinnennest, das ich erst für eine Pflanze hielt. Es hat mich wochenlang beschäftigt und begeistert, bis die Winzlinge flügge waren. Die Natur ist unerschöpflich. 🙂

    1. Ich habe noch mal Spinnenbabybilder geschaut. Wirklich, wirklich toll. Ich mag Spinnen; der Gruselfaktor ist bei mir nicht besonders. Ich hatte mal eine entdeckt, der bin ich eine Weile auf dem Bauch robbend gefolgt: Lastspinne.

      1. Lastspinne gefällt mir! Heißt die wirklich so? Werd ich mal googeln, wenn ich wieder zu Hause bin. Die derzeitige Internetverbindung ist ein Desaster … 😉

      2. Neinnein, Wolfsspinne wird mehr Erfolg haben. Höchst faszinierend! Was ich noch gerne herausbekäme, ist, was das für Spinnen sind, die beim ersten Sonnenstrahl über das alte Laub der Waldhänge rasen. Aber ich habe noch keine anschauen können, die sind wirklich viel zu schnell. .)

    1. Ja, nicht? Gute Verteidigung, wie Igel oder Assel oder Gürteltier, freut mich am meisten. Gefolgt von schlecht schmecken, gefährlich aussehen, verblüffend sein.
      Sehr schön übrigens: wtfevolution.tumblr.com — naja. Nur ein ganz wenig albern.

  2. Wusstest du beim Blauglanzwurmanblick sofort, wie der heißt oder hast du dort nachgeschaut, wo geballtes Wissen zu finden ist?
    Fein, fein. Ich erblickte bis jetzt nur diese grünglänzigen Rosenkäfer!

    1. Ich habe ein Weilchen suchen müssen, aber im Netz gibt es prima Bestimmungsseiten. Bücher habe ich auch, aber es gibt wohl mehr Käfer, als in Bücher für den Hausgebrauch passen …
      Oh, Rosenkäfer! Da muß ich immer an den Rosenkäfermann aus den Korfu-Erinnerungen von Gerald Durrell denken, der den Tierchen den Panzer lochte und Seidenfäden hineinband, die er dann an seinem Hut befestigte. Ob das wirklich möglich ist?

  3. Daß die Beine auch gepanzert sind, ist erstaunlich.
    Das Gift, das dieser Käfer produziert, wird es vermutlich auch bei anderen Tieren geben?!
    Das ist eine Vermutung – es würde aber zu dem passen, was ich über evolutionäre Entwicklungen weiß.

      1. Das alles ist nur die Spitze des Eisbergs. Höchst komplex.
        Ich frage mich, wohin wir kommen werden, wenn wir diese höchst komplexen (symbiotischen) Zusammenhänge durch Artenzerstörung auseinanderreissen.

  4. Ich kannte bis jetzt den Namen nicht, finde ihn auch merkwürdig für einen Käfer, aber ich kannte den Käfer. Ich habe ihn vor nicht allzu langer Zeit mit dem Handy fotografiert, weil er so ungewöhnlich aussah, vor allem so blau. Ich wollte nachschauen, habe es dann aber vergessen. Vielen Dank für die Arbeit, die Du mir abgenommen hast und für die kostenlos gelieferte Erklärung über das ungewöhnlich giftige Tierchen. Ich bin hoch erfreut.

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