Wer billig übersetzt, übersetzt zweimal

„…dyed blue.“ Die Violine, so steht es im englischen Text, würde nicht gespielt, sondern „tousled, fleeced, dyed blue“, und das ist so eine Stelle, an der wacht man unweigerlich auf. Blau gefärbt??

Ein Blick ins Netz klärt mich auf: der Musikkritiker Eduard Hanslick urteilte über Tschaikowskys Violinkonzert, daß die Violine „gezaust“ und „gerissen“ werde – und „gebläut“. Nach der alten deutschen Rechtschreibung hätte hier „gebleut“ gestanden; damit wäre vermutlich weniger schiefgelaufen. Für „gebläut“ aber greifen die Online-Übersetzungsprogramme knapp daneben und bringen Begriffe aus der Färberei zum Vorschein … Rest kann man sich denken.

(Mich hat das immerhin dazu gebracht, Hanslicks Kritik nachzulesen. Dieses „Violin-Concert“, schreibt er, „bringt uns zum erstenmal auf die schauerliche Idee, ob es nicht auch Musikstücke geben könne, die man stinken hört“. Mit blaugefärbter Violine, so nehme ich an, kein Problem.)