Aufs Land

Aus der Stadt hinaus aufs Land, eine Distanz, die ich viele Jahre auf der Autobahn im Schlaf gefunden habe, heute auf eigenen Füßen: auf ins rheinhessische Hügelland!
Am Mainzer Hauptbahnhof wartet der Tag, noch ganz verschlafen, Lockenwickler in den Wolken. Ich wende mich nach Westen. Kaum bin ich in Wanderstiefeln unterwegs, paßt mir das Fußwegkonzept der autogerechten Stadt nicht mehr: Drücken und warten soll ich? Sooo einen Bogen gehen?
Der Stadtteil Bretzenheim ist ein altes Dorf, fast zur Unkenntlichkeit verdichtet. In den Gärten und Höfen sind neuere Häuser gewachsen; die stehen jetzt wie Haifischzähne an engen, gewundenen Gäßchen. Hier verlaufe ich mich zum ersten und letzten Mal an diesem Tag.
Nach Marienborn hin zieht sich’s; Schallschutzwände, Umgehungsstraßen, Gewerbegebiete; Fußgänger sind hier nicht vorgesehen. Ich bin froh, den Ortsrand zu erreichen, tauche unter der Autobahn durch, und da ist es endlich: Rheinhessen. Sanfte Hügel, flurbereinigt und exakt beackert, Meeresboden mit Windrädern unter viel Himmel fürs Wetter.

Ein Himmel wie an der See.
Eine Bühne für das Wetter.

Ich grinse über den Hechtsheimer Berg, den Katzen-, den Eselsberg auf meiner Karte, bis ich oben stehe …