Wasserstandsmeldung

Wer den Rhein bei Hochwasser wirklich kennenlernen will, muß da hinreisen, wo ihn Straßen, Bahntrassen und Weinhänge einzwängen. Wenn’s eng wird, wehrt er sich und läßt die Muskeln spielen, stemmt sich beidseits gegen die Hindernisse und geht über. Die Dauercamper flüchten sich in Wagenburgen auf höheren Grund. Schwimmbäder gehen auf Tauchstation, Sportplätze heute nur für Wasserball, mit Fischernetzen in den Toren. Sogar die Landstraße hat Landunter.

Die Hafenmolen sind gedachte Linien im Strom, hinter denen die Schiffchen an ihren Leinen reißen. Stege schwimmen eben obenauf, müssen sich aber recken, und raken Unrat aus dem Fluß. Bäume waten ans Ufer oder klammern sich an gekenterte Inseln. Manchmal treibt was Größeres vorbei; man hofft, es ist aus Holz.

Flußarme greifen zwischen die Häuser, daß die nasse Füße kriegen. Schweigen wir von Kellern. Enten paddeln bei Rot über die Ampel; Schwäne treiben in Parks herum oder steuern Schaufenster in den Uferstraßen an. Nur die Fahrwassertonnen sind, wo sie immer sind, auch wenn sich als einziges Schiff heute die Pfalz vor Kaub ins Wasser wagt.

Die Leute reden über den Fluß, wie er schwillt, was er füllt; wer weiß, wie lange noch? Und das ist sehr verständlich. Dem Rhein ist, das weiß man hier, nichts gewachsen.

 

Die schönsten Hochwasserbilder gibt es bei Karu – hier ist der Rhein ein Meer.

 

 

 

0 Gedanken zu „Wasserstandsmeldung

  1. In Saarbrücken hat bei Hochwasser die Saar einen Nebenfluß mit 13 Buchstaben – die Stadtautobahn!
    Sie sollte im Rahmen des Projekts „Stadtmitte am Fluß“ (haha!) in einen Tunnel verlegt werden, mit Grünflächen obendrauf, aber die Stadtoberen kommen nicht in die Puschen, und so drohen Fördergelder zu verfallen…
    Also quält sich weiterhin bei Hochwasser zweimal täglich der Berufsverkehr durch die enge Hochwasserumfahrung…

    1. Oh, ganz großes Faß, die Stadtmitteautobahn! Wo man sich, wenn man am Staden flaniert, immerzu an den Kopf greifen will, wer das mal für eine gute Idee gehalten hat … Da haben wir früher gern Katastrophentourismus betrieben. Straßenschilder im Wasser fotografieren; später dann eeewige Baustellen. Ich wünsche den Saarbrückern, daß sich da mal was bewegt. Ein Jammer um die ansonsten doch wirklich lebenswerte Stadt. (Wenn’s nach mir ginge: Autos so weit wie möglich raus! Aber mich fragt ja keiner.)

  2. Wie du sogar Unglücke in Worte zu kleiden vermagst, die das Lesen zu einem Glücksfall machen, unglaublich! Kompliment.
    Dass es so schlimm ist, habe ich gar nicht mitbekommen. Noch nicht mal wie es in Sachen Rhein hierzulande aussieht (ich Newsbanausin ich).

    1. Das war auch nicht weiter newswürdig, glaube ich. Kein riesenhohes Hochwasser; und nur ein paar Stunden Peak in den letzten ziemlich wasserreichen Wochen. Aber es ist doch ein optisches Ereignis; es sieht ganz und gar falsch aus.

  3. Hossa! – Ich lebe ja sozusagen am anderen Ende des Wassers; dort wo die Schneeschmelze und Dauerregen aus dem Mittelgebirge abläuft und in Richtung der Überschwemmungen plätschert. Davon bekomme ich allerdings nur das laute Rauschen des Urselbachs mit, das in den letzten Wochen nachts gut vernehmbar meinen Schlaf begleitet. Und irgendwann kommt das Geplätscher dann eben bei Euch an. Erst ab Mai wird der Bach wohl wieder auf ein müdes Rinnsal zusammen schmelzen.

  4. Dorthin will ich nicht reisen. Es reicht, wenn ich das hohe Wasser von den Hügeln aus sehen kann, was heute nicht gelang. Der Nebel ging nicht weg.
    Danke für die guten Hochwasserbebilderungen über den Link.
    Das Leben ist merkwürdig, ganz besonders in Zeiten ohne Sonne.

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