Kleider machen Leute – offensichtlich Geflicktes vs. ordentliche Kleidung.
Je älter ich werde, desto lieber habe ich Geflicktes. Es scheint mir ein Zeichen höchster Wertschätzung, ein Kleidungsstück am Ende seiner Lebensdauer mit etwas Arbeit und viel Liebe für eine Weile weiter in Betrieb zu halten. Ich mag das, zu sehen: da hat jemand gern, was er oder sie trägt. Da war etwas wert, repariert zu werden.
Manche pflegen die Praxis des offensichtlichen Flickens – mit andersfarbigen Garnen, mit fremden Stoffen oder sogar mit Schmuck. Das hat für mich Logik – nicht nur das Kleidungsstück wird in seiner Funktion bewahrt, sondern auch seine Geschichte. Das läuft allerdings bei den meisten Menschen nicht unter „ordentliche Kleidung“.
Sehr befremdet mich daher, daß man vorgeschädigte Kleidungsstücke kaufen kann, manchmal auch gleich vor-geflickt, unter üblen Bedingungen hergestellt und für ordentliches Geld. Als maße man sich etwas an, als würde man ein fremdes Leben, eine künstliche Geschichte von der Stange erwerben. Fake. Vielleicht wird Kleidung nicht mehr lange genug getragen für echte Gebrauchsspuren? Was für ein Irrwitz.