Seit einiger Zeit denke ich darüber nach, wie man Informationen — simple, aber lebenswichtige Dinge — über vierundzwanzigtausendeinhundertundzehn Jahre überträgt, und mir fällt einfach nichts Gescheites dazu ein.
Die einzig normalen Menschen sind die, die man nicht besonders gut kennt.
Seit einiger Zeit denke ich darüber nach, wie man Informationen — simple, aber lebenswichtige Dinge — über vierundzwanzigtausendeinhundertundzehn Jahre überträgt, und mir fällt einfach nichts Gescheites dazu ein.
In Stein meißeln, wie vor vierundzwanzigtausendeinhundertzehn Jahren.
Hm. In welcher (Bild-)Sprache? Und wie konservieren?
Wenn Du nicht gerade Kalkstein nimmst sondern Granit, sollte die Gravur ohne weitere Konservierungsmittel halten – und Sprache? – Ein bisschen dürfen andere auch zur Lösung des Problems beitragen!
Angenommen, es ist ein Warnschild — dann muß es da bleiben, wo es ist. Das ist schon über ein paar hundert Jahre schwierig zu gewährleisten. Und dann ist das so eine Sache mit Warnungen. Die Ägypter haben viel darangesetzt, daß die Königsgräber nicht geöffnet werden …
Geht es um Endlagerstätten? Die Aufgabe ist für große Zeiträume aufgrund der damit einhergehenden Unwägbarkeiten (Sprache und Wissen gehen verloren, selbst ikonische Zeichen sind kulturell geprägt usw) nicht befriedigend lösbar.
Eine ziemlich gute Speichermethode wäre DNA, aber selbst dort gibt es bekanntlich den einen oder anderen Kopierfehler 😉 Trotzdem vielleicht das sicherste, was wir haben.
»Schreib es getrost in den Wind und in den reißenden Bach« …
(DNA … wie sähe das aus? Man müßte sie ja lesen können.)
Man könnte einem Organismus den Gefahreninstinkt gentechnisch einpflanzen. Parallel dazu gab es zu diesem Problem auch Vorschläge, die nicht das genetische Gedächtnis, sondern das kulturelle Gedächtnis in Dienst nehmen wollten. So wurde beispielsweise über die Gründung einer Art von Priesterkaste nachgedacht, die das Wissen über Jahrhunderte und Jahrtausende bewahrt und an die jeweils nächste Generation weiterreicht. Also so eine Art „Kirche der letzten Atommülltage“
Ah, dann wäre das Schreiben schwieriger als das Lesen … .)
Die Idee mit dem Kult … Das Christentum hat’s 2000 Jahre geschafft; immerhin. (Also, irgendwie.)
In Gold gravieren? Was, das weiß ich allerdings auch nicht! Und vermutlich bleibt es nicht lange da, wo man es haben möchte…
Wenn es nämlich alle haben möchten, ist das auch nicht gut …
Im Prinzip hat Philipp recht: in einen harten Stein einarbeiten, am besten in mehreren seit vielen Jahrhunderten bekannten Sprache, Piktogramme wären auch gut… s. Stein von Rosette, so wurden die Anfänge der ägyptischen Bilderschrift entziffert…
Gold oder Edelmetall, da würde ich wärmstens von abraten, nix, was als Rohstoff irgendwie in Frage kommen könnte… Es ginge zur Not auch sehr hart gebrannte Keramik, die allerdings kaputt gehen kann…
Das Problem ist nicht eines, sondern zwei: einmal die Frage nach einem haltbaren Trägermedium (Stein?, Keramik?) und zum zweiten die Frage nach der Form der Information selbst. Der haltbarste Stein nützt wenig, wenn die Kenntnis darüber verlorengegangen ist, was ein übermitteltes Zeichen bedeutet, ja, daß es sich überhaupt um Zeichen oder auch nur um eine Botschaft handelt.
Die ägyptischen Schriftzeichen haben, in Stein gehauen, auf Stein gemalt, ja sogar auf Papier, die Jahrtausende überdauert. Trotzdem hat sie hunderte von Jahren niemand mehr lesen können, und sie wären, wenn es nicht eine Reihe günstiger Funde (Bilinguen) gegeben hätte, bis heute nicht zu entziffern.
Leute, die es wissen müssen, haben mir versichert, die Mathematik sei eine überdauernde und relativ kulturunabhängige »Sprache«. Etwas binär Kodiertes sei leicht speicherbar und mit einem Minimum an Zivilisiertheit narrensicher zu entziffern. Das genügt dann jedoch nicht dem Anspruch, daß man es unmittelbar verstehen muß.
Schon, aber was codiert man binär? Die Bedeutung des Zeichens ist immer kulturell festgelegt. Wirklich universelle Zeichen gibt es nicht, jedes Zeichen hat eine arbiträre Komponente, die gelernt und tradiert werden muß. Nehmen wir einen Totenkopf, was soll der bedeuten? „Pirat“? „Gift“? „Schrumpfkopfwerkstatt“? „Bitte Ruhe — hier liegen die Ahnen“? „Gruselkabinett“?
Da ist die Priesterkaste noch die bessere Lösung. Allerdings darf es dann keinen kulturellen Bruch geben — wofür es auch keine Garantie gibt.
Da reicht schon einfach Zeit, die vergeht. Vor knapp zweitausend Jahren wurde ein Kult mit der sehr, sehr wichtigen Mission gegründet, die unsterblichen Seelen der Menschen zu retten. Aber schon der Begriff der Seele stößt heute auf Unverständnis.
Märchenmotive sollen ja noch viel, viel älter sein (ich hätte die Literaturangabe notieren sollen …), nur geben sie Antworten auf Fragen, die wir nicht mehr kennen. Schwierig.
Ich glaube, wir können uns die Gedanken sparen (soweit sie nicht dem Denken an sich, sondern der konkreten Problemlösung gewidmet sind). In vierundzwanzigtausendeinhundertundzehn Jahren wird es vermutlich niemanden mehr geben, den das interessiert, betrifft, der einen Nutzen davon hätte.
Das ist ein ganz konkretes Problem, meme, vgl. Solminore – Endlagerstätten. Die müssen so gekennzeichnet werden, daß auch in 500, 2000, 14000 Jahren keiner dran rumbuddelt. Radioaktivität gibt keine unmittelbaren Warnsignale ab, also muß man die Gefahr irgendwie abstrakt begreiflich machen.
… ich meinte damit eigentlich, dass wir es bis dahin geschafft haben werden, uns selbst und vielleicht sogar unseren Planeten zu zerstören. Also braucht es auch keine Warnhinweise, weil niemand mehr da ist, den man warnen könnte oder müßte,
Solcher Gedanken kann man sich kaum erwehren … Andererseits sind Menschen erstaunlich zäh …
Ich bin für die informationsprivilegierten Priester, die Weitergabe von Generation zu Generation. Und bewerbe mich gleich jetzt und hier um so ein Priesterinnenamt.
Hervorragende Idee! Wenn das Amt erblich ist, haben Generationen von Oachkatzens ausgesorgt. 🙂
Ein Tanztempel wird gegründet und die Informationen werden wie bei Oachkatz immer weitergegeben……( Als Tanzpriester bin ich schon zu alt).