Loriot lebt

Samstags im Käseladen. Die Schlange ist schon beträchtlich, als ein älterer Herr an die Reihe kommt. Beige Jacke, vernünftiges Schuhwerk, Typ pensionierter Studienrat.

Er erklärt, er habe am Abend Gäste, und da wolle man sich zum Wein etwas Schönes gönnen. Voller Elan verlangt er ein Stückchen hiervon, ein Stückchen von diesem, von jenem und dem dort drüben — nein, dem anderen — und ein Viertel davon. (Die Warteschlange scharrt mit den Füßen.) Achja, den da hätte er fast vergessen, den esse sein Schwager so gern. Der dort sei aber wohl nur für den Export gedacht, den wolle er nicht. Das Original habe er bei seinen jährlichen Schweiz-Aufenthalten genossen, aber so etwas bekomme man nicht überall. (Irgendjemand verschluckt sich und hustet. Der Gesichtsausdruck der Käsefrau wird immer sparsamer.) Dafür aber noch zwei Scheiben von dem da, aber bitte nicht so ein löchriges Stück (einer aus dem hinteren Teil der Schlange geht), und ein kleines Stückchen — nicht so viel! — von dem dort, zum Probieren. — „War es das jetzt?“ — „Jaja, das sollte genügen.“ — „Macht dann … <Betrag deutlich unter zwanzig Euro>.“

„Oh, haha, na, das ist ja nicht ganz billig. Aber bei Käse“, wendet er sich an das zahlreiche und eisern schweigende Publikum, „bei Käse kenne ich keine Grenzen.“