Bahnhöfe sind Einfallstore und machen selten Lust zu bleiben. Ein Bahnhof ist kein gutes Aushängeschild, darum will ich ihr den ihren nicht verübeln, dieser Stadt; lieber schnell hinaus auf den Vorplatz und weiter in die Straßen und Gassen.
Am Wegrand hat sie bis dahin bereits tausendfach versichert, wie gern sie einen habe; eine Nette sei sie ja. Und beliebt. Und erfolgreich. Und auch kulturell ganz vorne mit dabei. Und wie er ihr glücke, der Spagat zwischen volkstümlich und gediegen … Ach, sei doch ruhig, fahre ich ihr in die Parade. Gut gegackert, aber nun die Eier, bitteschön. Mein Mißtrauen jedenfalls hat sie geweckt.
Vorm Bahnhof dann: da war mal ein Rotlichtviertel. Die meisten Puffs haben sich gemausert zu besseren Hotels für Messegäste. Souvenirs gibt’s reichlich, Stadtdevotionalien im Überfluß. Auslagen und Fassaden sind so vorteilhaft beleuchtet, daß selbst vereinzelter Schmuddel wie geleckt erscheint. Und über der Inszenierung wachen scharenweise Kameras.
Nie saß ich in so properen U-Bahnen, selten bekam ich so unfreundlich Auskunft. Die Speisekarten waren erwartbar oder abgehoben, die Portionen groß und lieblos, die Kellnerinnen schnippisch (oder nicht von hier), der Kaffee überteuert. Diese Stadt und ich, wir haben nicht zueinander gefunden; am Ende war ich froh, wieder am Bahnhof zu sein. Ich habe güldene Eier auf den Dächern gesehen, denkmaltauglich angestrahlt, aber kein Nest. Zumindest nicht für mich.
Mit anderen Worten: Ich war in München, und ich habe kein einziges Bild gemacht. (Passende Fotos gibt es hier.)