Kleider machen Leute – mit praktischen Tips für den Haushalt.
So mit vierzehn, fünfzehn gabelte ich eine Lederjacke auf, ein Nachkriegsmodell, rehbraun, etwas speckig und ein gutes Stück zu groß. Sie hatte geräumige Taschen, man konnte sich draufsetzen, den Wind hielt sie ab mit hochgestelltem Kragen. Die trug ich fortan, im Winter mit ein paar mehr Pullovern drunter, im Sommer lose über die Schultern gelegt; wie sie im Regen roch, weiß ich heute noch. Zwölf gute Jahre machte sie alles mit, bis sie buchstäblich auseinanderfiel. Manchmal vermisse ich sie.
Cool war sie allerdings nie; die coolen Lederjacken trugen andere. Vom Träger einer coolen Lederjacke lernte ich, wie man Weinflaschen öffnet, wenn kein Korkenzieher zur Hand ist, man den Korken nicht in die Flasche drücken will und Abbrechen nicht in Frage kommt. Benötigt werden eine Weinflasche, ein Betonpfeiler und eine Lederjacke.
Man wickele die Lederjacke um den unteren Teil der Flasche, bringe sie in eine Position rechtwinklig zum Pfeiler und setze sie mit dem Boden nachdrücklich, aber nicht zu heftig ein, zwei dutzendmal auf. Physikalische Kräfte und vermutlich auch chemische Prozesse im Innern der Flasche treiben den Korken Stück für Stück aus dem Flaschenhals, zum Jubel der Umstehenden. Die Lederjacke verhindert, daß dabei was zu Bruch geht, und wenn sie hochwertig ist, sieht man ihr das Flaschenöffnen nachher auch nicht an.
Voilà – Abend gerettet dank Lederjacke.
Über das Maßnehmen hatte ich längst geschrieben.