Frau Trippmadam hat einen wunderbaren Text geschrieben, der im Rahmen einer Aktion des Archäologischen Museums Hamburg steht. — Lange mußte ich nicht nachdenken, um zu begreifen, wie viel ärmer ich wäre ohne Museen.
Meine ersten waren das Römermuseum in der Kreisstadt und, höchstes Entzücken, das Stadtparkschlößchen. Das hatte einen Teich mit zwei schwarzen Schwänen darin, eine geschwungene Treppe, Türflügel, die ich niemals allein aufbekommen hätte, und drinnen mußte man gleitende Filzpantoffeln tragen, um das Parkett zu schonen. Es gab Fossilien; Scherben und Knochen; hundert Jahre alte Vasen, Bilder und Skulpturen und ein bißchen olle Schloßeinrichtung, und ich schaute alles an. Alles. Jedes Mal. Der Eintrittspreis war minimal; so ging ich als Schülerin auch mal in der Mittagspause schlittern. Es beruhigte mich, die immergleichen Exponate zu besuchen, und die Wechselausstellungen gefielen mir oft. Mit 20 kaufte ich dort das erste Mal ein Kunstwerk. Inzwischen ist das Museum modernisiert; noch heute gehe ich hin, wenn ich kann.
In fremden Städten sind Museen meine ersten Anlaufstellen. Ob in New York, Syrakus oder Oberrosphe: Museen sind besonnene und gute Orte. Da haben Menschen sorgfältig Wissen, Erinnerung, Schönes, Erstaunliches und Stolpersteine zusammengetragen, damit ich sie sehen, verstehen, mich damit auseinandersetzen kann: eine Einladung, der ich immer gerne folge.
Museen liebe ich vielleicht noch ein bißchen mehr als Bibliotheken. Museen sprechen alle Sprachen, und ich muß mich nicht im gleichen Maß beschränken: Mehr als zweidrei Bücher könnte ich nicht zugleich lesen, aber ich kann im Museum genau so weit durch fremde Sinnes- und Gedankenwelten wandern, wie ich möchte, und meine eigenen daranknüpfen.
Ich finde, ein Gemeinwesen sollte sich Museen leisten. Natürlich Krankenhäuser, Schulen, Grünflächen, Nahverkehr und anständige Polizisten, das ist klar. Aber eben auch Theater, Bibliotheken, Gedenkstätten; alles, was Geist verbreitet, was Diskurs fördert, Welten öffnet. Und Spaß macht.