Das alte Haus

Das neue Haus ist ein altes; zweihundert Jahre lang lebten, arbeiteten und starben hier Männer und Frauen, wurden hier Kinder gezeugt, geboren und aufgezogen.
Das Haus trägt ihre Spuren. Unter der Farbe verbirgt sich Farbe und wieder Farbe, jede Schicht von anderen Händen aufgetragen, angefaßt und abgenutzt.

Im Treppenhaus: abgegriffen.

Jetzt sind wieder Kinder da, die in dem Haus leben, seine Einrichtung anfassen, die Farben abnutzen und vielleicht irgendwann auch wieder auftragen werden.

0 Kommentare zu „Das alte Haus

  1. boah, das bild … dazu die geschichte. du bist eine künstlerin in sachen mit minimalsten mittel maximales transportieren. das muss einfach mal gesagt sein. eine wunderbare wort-bild-kombination. und erst noch einfach sehr schön.
    ich spüre die glätte des treppenknaufs und rieche das alte treppenhaus geradezu.
    herzlich, soso

  2. Oh, danke, SoSo! (Ich hoffe, sie lassen das so. Ist überall im Haus und wunderschön.)
    Kormoran, das kann ich mir auch vorstellen. Aber wenn junge Leute ein altes Haus beziehen, ist es erst einmal eine Riesenfreude.

  3. ein abgegriffener treppengeländerknauf, ja – und nein:
    ein alternativer globus,
    eine erdball, der im unbestimmten schwebt,
    und nicht zuletzt eine oberfläche,
    fleckig, glänzend, glatt,
    vom gebrauch in der ZEIT gezeichnet,
    im wortwörtlichen sinne.
    gruß, uwe

  4. Wie schön: Das scheint mir genau die Sorte Treppengeländer zu sein, auf dem man so wunderbar rutschen konnte! Was natürlich strengstens verboten war. Was den Abenteuerwert nur weiter erhöhte. Den Lack kann ich auch noch riechen, und weiß noch genau, wie er sich anfühlte – mit den Fingerkuppen und beim versuchsweisen Annagen.

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