0 Gedanken zu „Hobby-Dialektforschung

  1. Knäppchen ist zweifelsfrei gemein-westfälisch. Wie ist das auf Bayrisch?
    Kanten hört sich hochdeutsch an — Knust ist woher?

    Bei „uns“ heißt es Ranfel; ich glaube, das stammt aus dem Erzgebirge.

  2. Wobei mir noch einfällt, dass im westfälischen Platt des Raums Ruhrpott ein „Knapp“ ein Haufen ist. In Dortmund gibt es eine Straße namens Hampittelknapp, was laut Auskunft eines längst verstorbenen Lehrers „Ameisenhaufen“ bedeutet.

  3. Hampittelknapp. Damit bin ich heute eindeutig klüger geworden und schwer beeindruckt. Danke. 🙂

    Mindestens so schön wie das rheinhessische Wort für Puppenwagen: Bobbeschäsje.

  4. also mal als beispiel beim normalen mischbrot oder gerster : knust, norddeutsch oder kanten, wie z.b. im brandenburgischen.

    lakritze, wo ist hinten, wo ist vorn, wenn das brot rund ist?

  5. bobbeschäsje:
    Das ist aber schwer französisch beinflusst. La chaise – zweiachsiger Handwagen, Schäsje – Wägelchen, in Addition zur Poupèe/Puppe/Bobbe.
    Hach, ich stehe auf sowas!

    Das ist ja noch schöner als „Fisematenten“.

  6. Bernd, egal ob rund oder eckig: Vorne ist beim Brot da, wo es knusprig und lecker ist, hinten hingegen ist es etwas zäh bis steinhart. Leicht zu unterscheiden. 🙂

    Buchstäblich, dann könnte Dir die Gegend um Mainz gefallen. Da sind Vokale gelegentlich nasaliert, man geht, alla, meddem Paraplüh iwwers Troddewa und trägt drunter ein Schemissjer … (Nimmt allerdings stark ab in jüngerer Zeit.)

  7. Mir gefällt jede Gegend, in der die Menschen so speziell sprechen, dass ich Gedankenfutter habe für das Überlegen, wo jetzt dieses oder jenes seltsame Wort herkommt. Dass diese schönen lokalen Eigenheiten so rückgängig sind, finde ich traurig – da geht Wörterspielzeug verloren.

  8. Ich habe neulich auf dem Lande eine Frau getroffen, die hat mir nach dem dritten Satz gesagt, ich würde aber schönes Hochdeutsch reden; sie könne ja leider nur Pälzisch. Der hab ich dann gesagt, sie würde aber schönes Pälzisch reden; ich könne ja leider nur Hochdeutsch. Als ich klein war, war Dialekt eben ibäh — ein Jammer, daß Leute immer noch denken, Hochdeutsch wäre „besser“.

  9. Die letzte Ecke vom Brot heißt bei uns Knorze oder Knörzje. War noch nicht genannt.
    Bubbeschäsje kenne ich auch.
    Die vielen Anlehnungen aus dem Französischen finde ich auch klasse. In der Gegend an der Nahe (Bad Kreuznach) sagt man übrigens im Karneval anstatt „Helau“ – „Allez hopp!“
    Troddewa ist auch lange Zeit mein Lieblingswort gewesen.

  10. Stimmt — das Knörzje! Danke.

    Ich habe auch schon wieder ganz viele französische Lehnwörter vergessen, die bei uns im Dorf (bei Kreuznach :)) gängig waren — es ist einfach zu lang her. Alla fort …

  11. Fehlt auf der Landkarte noch das putzige Schwabenland:

    den BrotANschnitt nennt man hierzuland GNEISLE (auch mit K möglich),
    das BrotENDE hingegegen wird REMPFL (auch RAMPFDA) genannt.

    Und wie gehts jetzt weiter ? Brotkrumen ???? (auch ziemlich lustig)

  12. Richensa, neenee, Datenbankpflege hat mir noch nie besonderen Spaß gemacht. Aber hübsch wär’s — mit Kartoffeln (Erdäpfeln, Grundbirnen …) habe ich das schon gesehen, in Form einer Landkarte.

    Wassily, die Schwaben! Tatsächlich zwei Wörter — endlich!
    Und Brotkrumen? Heißen die nicht einfach Krümel? Im schlimmsten Falle Semmelbrösel?

  13. Es ist ja nicht zu glauben – aber wahr ! So maulfaul die Schwaben gemeinhin auch sein mögen, so variantenreich sind sie in den Ausdrücken. Ich hab am Abend von einem Freund noch zwei zweitere Begriffe für den Brot – Rest gehört:
    RANGA oder auch RIEBELE… hübsch, nicht.

    1. Doch, doch, „Giggele“ sage ich als Allgäuer. Aber allein dort gibt es eine Reihe verschiedener Begriffe dafür. Vor ein, zwei Jahren gab es dazu doch bei einer der großen Zeitungen einen schönen Sprachatlas.

  14. War dir noch eins schuldig…
    Brotkrumen: „Broosama“ – oder ganz niedlich „Breesale“

    Und der Begriff „Gigele“ oder „Giggele“ für das „Kneisle“ kommt wohl im bayerischen Allgäu vor, muß aber scharf abgegrenzt werden vom „Giggele“ oder „Göggele“, was wiederum eine Bezeichnung für das Küken ist.

  15. Neben Scherzerl ist der urwiener Begriff fürs letzte Stück Brot ‚Buckel‘ [Bu:ggl]. Am Würschtelstand ein beliebtes Menu: A Eitrige mit an Buggl und a Sechzehnerblech (Eine Käsekrainer mit einem Scherzerl und eine Dose Ottakringer Bier, Ottakring=16. Wiener Gemeindebezirk)

  16. Giggele (piep!) und Breesale, das ist wirklich goldig.

    Und die Wiener, ja, die Wiener … Also, den Niedlichkeitswettbewerb gewinnen eindeutig die Schwaben. 🙂
    (Eitrige, die mochte ich auch immer sehr. Gibt’s hier nicht.)

  17. JUUUUPPPPIIIDDUPPPPPIIIIIEEEEDUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUH,

    endlich mal was gewonnen. Auch wenns nur ein kleiner Wettbewerb, sozusagen ein Contestle war…

  18. ein toller Sprachatlas

    Ich schließe mich ( nur teilweise) wassily an:

    Riebele oder auch Ranga, aber der Ranga ist auch die Kurve, die man immer mal wieder kriegen muss. vor allem, wenn es knapp wird, zeitlich, alkoholbedingt oder insbesondere, wenn man sich in der Argumentation vergaloppiert hat, dann musst man schauen, dass man den “ grad no da Ranga kriagt“.

    Breesala hört sich schon sehr nach Stuccitown an, das sind Braisala !

  19. connect alias GG:

    Einspruch, Euer Ehren !

    In Laichingen werden die Autos vielleicht mit dem Brotendstück (RANGA) gesteuert. Ansonsten aber benutzt auch der Schwabe ein teil namens „RANKE“, also das Lenkrad…!

  20. Knüstchen. (Nordhessen, bei Kassel). Wie es in Frankfurt heißt, weiß ich gar nicht. Für Haushalt und Verpflegung war meine Mutter zuständig, insofern kann ich solche Begriffe nur auf Nordhessisch. Mein südhessischer Vater hat sich notgedrungen assimiliert.

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