Drunter & drüber

Kleider machen Leute, jetzt mit Kleinanzeige.
 
Ich habe einen Koffer weiße Wäsche geerbt, Aussteuer von vor vielleicht hundert Jahren aus einer befreundeten Familie. Zarte Baumwollhängerchen mit geometrischen Musterkanten, gesteppte Jäckchen mit Rüschen überall, bauschige Unterhosen mit knöpfbarer Klappe; sogar eine Nachthaube ist dabei.
Ich schaue mir die Sachen gerne an, die Stickereien, die weißen Stoffe, luftig für den Sommer, wärmend für den Winter. Von Hand hergestellt, verziert und mit Monogramm versehen, waren das richtige Wertsachen. Viel zu schön, um zu verstauben; eigentlich sogar zu schön, um drunter getragen zu werden.
L., die neulich zu Besuch war und die solche Dinge mag, meinte: dann trag’s doch drüber! Und in der Tat, manchmal lohnt es sich, das Unterste zuoberst zu kehren. Die Besitzerin der Wäsche hätte sich vor hundert Jahren keinesfalls so unter Leuten gezeigt; ich hingegen bekomme gesagt: oh, was für eine schöne Bluse, hast du die neu?
 
 
 

0 Kommentare zu „Drunter & drüber

      1. Vielleicht kann man die Teile ändern? Z.B. rechts und links einen Streifen in einer Kontrastfarbe einsetzen? Bei Wäsche stelle ich mir das sehr hübsch auch mit einem gestreiften Stoff als „Einsatz“ vor.

    1. Jetzt komm aber bitte nicht auf die Idee, von einem Hochhausdach zu Flugversuchen anzusetzen! (Sonst gibt es voraussichtlich keinen lakritzschen Kleider-Beitrag zum Buchstaben E mehr 😉
      Im Ernst: Vielen Dank für das Drunter & Drüber. Ich bewundere diese Stringenz. Und außerdem könnte ich mir gut vorstellen, dass mir auch die Stickhemdchen gefallen würden.

    2. So leicht kommst Du nicht um den Buchstaben E herum. Ich hab grad einen Heidenspaß mit der Aktion. .)
      Und die Hemdchen: da freue ich mich über alle Anregungen. Wie gesagt, ein Jammer, sie nicht zu tragen.

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