Meine getöpferte Schale: außen schwarz, innen türkis. Und drin kein Milchkaffee, sondern wieder Schwarz. Mmmmmm …

Die einzig normalen Menschen sind die, die man nicht besonders gut kennt.
Meine getöpferte Schale: außen schwarz, innen türkis. Und drin kein Milchkaffee, sondern wieder Schwarz. Mmmmmm …


Das Fieber steigt, Lesen hat keinen Zweck mehr. Die gedruckten Worte bekommen heiße Flügel, verhaken sich auf ungeheuerliche Weisen in den Hirnwindungen und benehmen sich dort nicht gut.
Schlafen ist das beste. Einfach nicht mehr zuhören, die Augen schließen. Wie spät ist es? Egal. Einmal werden wir noch wach, vielleicht zweimal, und dann ist die Welt wieder im Lot …
Zum Glück habe ich das hinter mir. Wenn ich das Bett hüten muß, ist jedenfalls immer sie dabei, die große weiße Arzberg-Tasse. Sie faßt einen knappen halben Liter Brombeerblättertee, und dank Deckel hält sie ihn von einer Wachphase bis zur nächsten warm.
Möge sie lange auf ihren nächsten Einsatz warten. Und gute Besserung allen, die sie gerade gebrauchen können.

Das Keramikerehepaar Gotlind und Gerald Weigel lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Gabsheim, auf einem alten rheinhessischen Bauernhof. Bei ihrem wunderbar restaurierten Wohnhaus haben sie in den Nebengebäuden eine Töpferwerkstatt mit Brennofen eingerichtet. Einmal im Jahr, im Herbst, gibt es eine Werkstattausstellung in der Scheune. Jeder Besuch zeigt: Auch wenn es sicher nicht immer einfach ist, die Weigels leben ihren Beruf. In einem der ältesten Handwerke der Menschheit schaffen sie wieder und wieder Neues.
Ich besitze ein paar Stücke von Gotlind Weigel, aus der Zeit, in der sie noch Gebrauchskeramik gemacht hat. Ich mag das, daß sie alle unterschiedlich sind und daß man ihnen den Fertigungsprozeß ansieht.
Die Tassen habe ich geschenkt bekommen. Ich verwende sie für ganz besondere Gelegenheiten.


An trüben Tagen, an denen sich unangenehme Aufgaben auf dem Schreibtisch stapeln, hilft nichts so zuverlässig wie eine Tasse Kaffee. Kaffee ist ein mildes Antidepressivum. Verstärkt wird seine Wirkung durch eine halbe Stunde Nichtstun und einen »Dosendeckel« — und schon sieht alles wieder etwas sonniger aus.



Noch einmal: Fine China Lichte. Den Kaffeekern habe ich geschenkt bekommen (Danke, B.!), die Tassen und noch ein bißchen mehr habe ich später im Netz gefunden und ersteigert. War sicher mal eine edle Angelegenheit: blautürkis, hauchdünn, von Hand mit Gold bemalt. Bis zum Tête à tête ist es noch ein weiter Weg — ich habe genug für zwölf Personen.
Die Bemalung sieht überall ein bißchen anders aus, ein Milchkännchen ist nicht ganz rund — mir gefallen die vielen kleinen Fehler.
Zünftig trinkt sich’s auf Wanderschaft nur aus einer Blechtasse. Edler, vielleicht auch haltbarer ist die Variante aus Edelstahl — das werde ich in dieser Saison erproben.


Hat man von einem Geschirr alles zerdeppert außer der Kaffekanne, dem Milchkännchen und der Zuckerdose, nennt man einen »Kaffeekern« sein eigen. Der Kaffeekern plus zwei Tassen mit Untertassen sind immerhin ein »Tête à tête«, und so eins besitze ich — ein Mokkageschirr der DDR-Marke Lichte.
Von Lichte gibt es auch großartige Sammeltassen, aber die habe ich, als sie mir zu viele wurden, an allen möglichen Orten stehenlassen, was sehr hübsch aussah. (Bilder habe ich davon aber leider nicht.)
Hier also mein Tête à tête in Weiß und Gold.


Hätte ich sie nicht geschenkt bekommen, könnte man sie als Jugendsünde bezeichnen. Sie ist das Modell »Nicht nachgedacht«: Viel zu groß — wer soll so viel trinken? — und so dünnwandig, daß alles Heiße darin in Windeseile kalt wird. Und mit der Goldfarbe kann ich sie nicht ordentlich spülen, obwohl sie einen Stahlschwamm dringend nötig hätte.
Zur Strafe steht sie fast unerreichbar weit hinten im obersten Schrankfach.
Diese beiden Tassen sind meine traurigsten. Sie kamen in einem Paket aus Japan, ein Geschenk des Liebsten. Er hatte auf Reisen an meinen Geburtstag gedacht. Ich konnte mich nie revanchieren.
Obwohl das Leben, wie ich inzwischen weiß, weitergeht, benutze ich sie nicht oft.



Da warten sie auf ihren Einsatz: die Suppentassen vom Alltagsgeschirr. Sie besitzen passende Deckel — damit stehen sie vermutlich ziemlich einzig da, denn die Deckel werden schon lange nicht mehr hergestellt. Die letzten haben wir bekommen.